Kirsch - Deutsches Schiffahrtsmuseum und Museumsflotte unter Denkmalschutz
Rolf Kirsch
Deutsches Schiffahrtsmuseum und Museumsflotte unter Denkmalschutz
Ende 2005 wurde das 1969 als Institution gegründete Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven mitsamt seiner Museumsflotte unter Denkmalschutz gestellt.
Es zählt als eines von sechs gemeinsam von Bund und Ländern finanzierten Forschungsmuseen zu den national bedeutenden Museen. Mit seiner Thematik und mit seinen im Stadtbild wirksamen Museumsschiffen im Außenbereich reflektiert und prägt es die maritime Identität Bremerhavens. Es bildet einen wesentlichen Faktor der Stadtentwicklung und Stadtgeschichte Bremerhavens in den vergangenen Jahrzehnten. Das Museumsgebäude selbst hat als bekannter Entwurf des prominenten Architekten Hans Scharoun, des Baumeisters der Berliner Philharmonie, überregionalen Denkmalrang.
Ausgangspunkt aller Bestrebungen zur Gründung eines Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven war die Dreimastbark »Seute Deern« (vgl. Beitrag von D. J. Peters in diesem Heft). Sie ist der letzte hölzerne Großsegler unter deutscher Flagge und mit 814 Bruttoregistertonnen (BRT) einer der größten erhaltenen historischen hölzernen Frachtsegler weltweit. Gebaut 1919 unter dem Namen »Elizabeth Bandi« als Viermast-Gaffelschoner für den Holztransport in Gulfport/Mississippi, wurde das Schiff 1938 bei Blohm & Voss in Hamburg zur Dreimastbark umgeriggt und zum Segelschulschiff für die Seemannsausbildung der Hamburger Reederei Essberger umgebaut. 1966 gelangte die »Seute Deern« als schwimmendes Restaurant in zunächst noch privatem Besitz nach Bremerhaven und machte im Alten Hafen fest. In dem Relikt des ältesten Bremerhavener Hafenbeckens entwickelte sich das Schiff schnell
zu einer Attraktion mit dem Charakter eines Wahrzeichens, das an die hölzernen Seeschiffe aus der Zeit der Gründung Bremerhavens erinnerte.
Die Anwesenheit der »Seute Deern« beflügelte die Pläne zu einem Ausbau des Alten Hafens zu einem Museumshafen, dem ersten seiner Art in Deutschland. Schon im Mai 1967 kam das Feuerschiff »Elbe 3« als zweites Oldti- merschiff hinzu. Die Idee zur Gründung eines Schiffahrtsmuseums auf dem Gelände zwischen Altem Hafen und Weser stammte ursprünglich von dem Kölner Rechtsanwalt Dr. Bernartz, dessen umfangreiche schifffahrtsgeschichtliche Sammlung neben der städtischen Bremerhavener Schifffahrtssammlung zu einem wichtigen Standbein des neuen Museums werden sollte. Der Bund bewilligte einen dringend benötigten Zuschuss zu dem geplanten Forschungsmuseum, nachdem Bremen als Forschungsgegenstand die 1962-65 am Rablinghauser Weserufer geborgene Hansekogge von 1380, einen der bislang bedeutendsten mittelalterlichen Schiffsfunde, in das Projekt eingebracht hatte. Das eindrucksvolle Koggenwrack konnte nach langer Konservierungsphase schließlich im Jahr 2000 in der eigens für das Schiff konzipierten Koggenhalle des Museums der Öffentlichkeit in montiertem Zustand präsentiert werden.
Das Gebäude des Deutschen Schiffahrtsmuseums wurde 1971-75 nach 1969 entworfenen Plänen des bedeutenden Architekten Hans Scharoun (1893-1972) erbaut. Im Oeuvre von Scharoun spielt es eine wichtige Rolle als dessen letztes noch zu seinen Lebzeiten begonnenes Bauwerk; die Fertigstellung bis 1975 leitete Peter Fromlowitz.