Heft 
(2007) Bd. 4. [Bremerhaven]
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27
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Kirsch - Deutsches Schiffahrtsmuseum und Museumsflotte unter Denkmalschutz

Rolf Kirsch

Deutsches Schiffahrtsmuseum und Museumsflotte unter Denkmalschutz

Ende 2005 wurde das 1969 als Institution ge­gründete Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven mitsamt seiner Museumsflotte unter Denkmalschutz gestellt.

Es zählt als eines von sechs gemeinsam von Bund und Ländern finanzierten Forschungs­museen zu den national bedeutenden Museen. Mit seiner Thematik und mit seinen im Stadt­bild wirksamen Museumsschiffen im Außen­bereich reflektiert und prägt es die maritime Identität Bremerhavens. Es bildet einen wesent­lichen Faktor der Stadtentwicklung und Stadt­geschichte Bremerhavens in den vergangenen Jahrzehnten. Das Museumsgebäude selbst hat als bekannter Entwurf des prominenten Archi­tekten Hans Scharoun, des Baumeisters der Ber­liner Philharmonie, überregionalen Denkmal­rang.

Ausgangspunkt aller Bestrebungen zur Gründung eines Schiffahrtsmuseums in Bre­merhaven war die Dreimastbark »Seute Deern« (vgl. Beitrag von D. J. Peters in diesem Heft). Sie ist der letzte hölzerne Großsegler unter deutscher Flagge und mit 814 Bruttoregister­tonnen (BRT) einer der größten erhaltenen hi­storischen hölzernen Frachtsegler weltweit. Ge­baut 1919 unter dem Namen »Elizabeth Bandi« als Viermast-Gaffelschoner für den Holztrans­port in Gulfport/Mississippi, wurde das Schiff 1938 bei Blohm & Voss in Hamburg zur Drei­mastbark umgeriggt und zum Segelschulschiff für die Seemannsausbildung der Hamburger Reederei Essberger umgebaut. 1966 gelangte die »Seute Deern« als schwimmendes Restau­rant in zunächst noch privatem Besitz nach Bremerhaven und machte im Alten Hafen fest. In dem Relikt des ältesten Bremerhavener Ha­fenbeckens entwickelte sich das Schiff schnell

zu einer Attraktion mit dem Charakter eines Wahrzeichens, das an die hölzernen Seeschiffe aus der Zeit der Gründung Bremerhavens er­innerte.

Die Anwesenheit der »Seute Deern« beflü­gelte die Pläne zu einem Ausbau des Alten Ha­fens zu einem Museumshafen, dem ersten sei­ner Art in Deutschland. Schon im Mai 1967 kam das Feuerschiff »Elbe 3« als zweites Oldti- merschiff hinzu. Die Idee zur Gründung eines Schiffahrtsmuseums auf dem Gelände zwischen Altem Hafen und Weser stammte ursprünglich von dem Kölner Rechtsanwalt Dr. Bernartz, dessen umfangreiche schifffahrtsgeschichtliche Sammlung neben der städtischen Bremerha­vener Schifffahrtssammlung zu einem wichtigen Standbein des neuen Museums werden sollte. Der Bund bewilligte einen dringend benötigten Zuschuss zu dem geplanten Forschungsmuse­um, nachdem Bremen als Forschungsgegen­stand die 1962-65 am Rablinghauser Weseru­fer geborgene Hansekogge von 1380, einen der bislang bedeutendsten mittelalterlichen Schiffs­funde, in das Projekt eingebracht hatte. Das ein­drucksvolle Koggenwrack konnte nach langer Konservierungsphase schließlich im Jahr 2000 in der eigens für das Schiff konzipierten Kog­genhalle des Museums der Öffentlichkeit in montiertem Zustand präsentiert werden.

Das Gebäude des Deutschen Schiffahrts­museums wurde 1971-75 nach 1969 entwor­fenen Plänen des bedeutenden Architekten Hans Scharoun (1893-1972) erbaut. Im Oeuvre von Scharoun spielt es eine wichtige Rolle als dessen letztes noch zu seinen Lebzeiten begonnenes Bauwerk; die Fertigstellung bis 1975 leitete Peter Fromlowitz.