Denkmalpflege in Bremen Heft 4
Georg Skalecki
Denkmalpflege an der Bürgermeister-Smidt- Gedächtniskirche in Bremerhaven
Die Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche, die so genannte Große Kirche, wurde als weithin sichtbares Wahrzeichen der Seestadt Bremerhaven konzipiert und erfüllt, trotz mancher jüngerer Entwicklungen im Umfeld, diese Funktion unverändert. Der 86 Meter hohe, markante Turm, der mit seinem durchbrochenen Pyramiden-Helm auffällt, ist die prägnante Landmarke, die die historische Stadtmitte kennzeichnet. Der bestehende Kirchenbau stammt aus den Jahren 1853-1855. Erst 1869/1870 wurde die hohe Turmfassade dem Kirchenschiff vorgesetzt. Seit 1978 steht die Kirche unter Denkmalschutz und wird seitdem vom Landesamt für Denkmalpflege Bremen als wichtiges Kulturdenkmal denkmalpflegerisch betreut. Die Gründe für den Denkmalschutz liegen auf der Hand, auch wenn der Bau eine sehr bewegte und auch nicht immer glückliche Geschichte hatte und manche Veränderung über sich ergehen lassen musste. Die Vereinigte Protestantische Gemeinde zur Bürgermeister-Smidt- Gedächtniskirche ist die einzige Gemeinde in Bremerhaven, die zur Bremischen Evangelischen Kirche gehört. Auch dies ist eine Besonderheit dieser Kirche.
Wegen der voranschreitenden Versandung der Weser am Anfang des 19. Jahrhunderts, wodurch die immer größer werdenden Seeschiffe nicht mehr die bremischen Häfen in Bremen und Vegesack erreichen konnten, beschloss der weitsichtige Bremer Bürgermeister Johann Smidt, an der Unterweser, kurz vor dem offenen Meer, einen neuen Hafen zu gründen. Für Bremen war dies die einzige Möglichkeit, um sich als bedeutende, international aktive Seehandelsstadt in der Konkurrenz behaupten zu können. Nachdem die langwierigen Verhandlungen mit dem Königreich Hannover er
folgreich beendet waren, erwarb man am 1. Mai 1827 ein etwa 90 ha großes Stück Land zwischen Außenweser und der Geestemündung. Ein erstes Hafenbecken, der heutige Alte Hafen, wurde parallel zur Weser gebaut. Wiederum parallel dazu legte man eine planmäßig ausgerichtete Siedlung an, die nach niederländischem Vorbild einen orthogonalen Straßen- grundriss erhielt. Die Planung hierfür leitete der Holländer Johannes Jakob van Ronzelen.
Der Hafen und die Stadt entwickelten sich rasch, so dass man bald eine eigene Kirche benötigte. Ursprünglich war nämlich zwischen Bremen und Hannover vereinbart worden, dass die Bewohner der neuen Siedlung die Gottesdienste in der Dionysius-Kirche in Lehe besuchen könnten. Unter dem Eindruck der sich wohl schon abzeichnenden Notwendigkeit einer Erweiterung des Hafens aufgrund dessen enormer Entwicklung beschloss der Bremer Senat 1842 den Bau einer eigenen Kirche für Bremerhaven. 1847 schließlich erfolgte dann auch die erste Hafenvergrößerung durch Aushebung eines zweiten Hafenbeckens, des Neuen Hafens. Seitdem erweiterte sich Bremerhaven regelmäßig entlang der Weser nach Norden, wobei zunächst mehrere weitere Becken folgten, die durch Schleusen von der Tide unabhängig gemacht wurden, während man später Seekajen anlegte, von denen zurzeit mit dem Container- Terminal 4 der vorläufig letzte Erweiterungsschritt gemacht wird.
Nachdem 1842 schließlich eine unierte Gemeinde aller evangelischen Christen in Bremerhaven gegründet worden war, betrieb man mit Nachdruck auch den Bau einer eigenen Kirche. An exponierter, zentraler Stelle im Straßennetz begann man 1844 mit Fundamentie- rungsarbeiten und mit der Grundsteinlegung