Denkmalpflege in Bremen Heft 1
Ottmar Struwe
Windmühlen in Bremen
Im küstennahen norddeutschen Flachland, so auch in Bremen, ermöglichten die guten Windverhältnisse eine intensive Nutzung der Windenergie. Lange vor Erfindung der Dampfmaschine, aber auch später mit ihr konkurrierend, lieferten Windmühlen neben den Wassermühlen Energie für die unterschiedlichsten Arbeitsgänge. Es gab Mahl-, Ol-, Säge- oder Schöpfmühlen. Die große ehemals vorhandene Anzahl an Windmühlen lässt sich auf alten Stadtansichten feststellen, da die Mühlen wegen ihrer markanten Flügelkreuze gut zu erkennen sind. Auf dem Stadtplan von J. D. Heinbach aus dem Jahre 1757 sind es fünfzehn, die allein innerhalb der damaligen Befestigungsanlagen Bremens liegen. Fast alle Windmühlen standen wegen der guten Windbedingungen erhöht auf den Bastionen rund um die Stadt. Leider hat sich aus dieser Zeit keine einzige mehr original erhalten. Allerdings steht die jetzige Wallmühle an dem Standort, an dem es schon 1699 eine Windmühle gab. Erhalten und unter Denkmalschutz stehen im heutigen Bremen insgesamt fünf Windmühlen. Zur Wallmühle kommen noch hinzu: die Rekumer Mühle in Bremen-Nord, die Oberneulander Mühle, die Mühle in Arbergen und die Horner Mühle. Alle Bremer Mühlen sind sogenannte Holländermühlen, ein Typus, der einen fest stehenden polygonalen oder runden Rumpf, meist konisch nach oben abnehmend, besitzt. Auf dem Rumpf sitzt die bewegliche Kappe mit den Flügeln auf, die entweder mittels einer Steertsteuerung von Hand in den Wind gedreht wurde oder durch die rückseitig an der Kappe befestigte Windrose in der Lage war, sich automatisch in die vorherrschende Windrichtung auszurichten. Steht der Rumpf
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der Holländerwindmühle direkt auf der Erde oder einem kleinen Erdwall, so spricht man von einem Erdholländer. Besitzt die Mühle dagegen einen festen hohen Unterbau mit umlaufender Galerie, so bezeichnet man die Konstruktion als Galerieholländer. Unter den denkmalgeschützten Bremer Mühlen finden wir beide Typen vertreten.
Die Wallmühle
Eine ältere Wallmühle, früher auch Herden- torswallmühle und auch Ansgaritorsmühle genannt, fiel bereits 1832 einem Feuer zum Opfer, wie so viele andere Mühlen auch. Die mächtigen Holzkonstruktionen gerieten wegen ihrer exponierten Lage und Höhe leicht durch Blitzeinschläge oder auch während kriegerischer Auseinandersetzungen in Brand. Nach einer kompletten Instandsetzung im Jahre 1889 kaufte der Bremer Staat die Mühle 1891. Leider wurde sie dann im März 1898 erneut ein Raub der Flammen. Erfreulicherweise entschied sich die Bürgerschaft damals, die Mühle »im Interesse der landschaftlichen Eigenart unserer Wallanlagen« in ihrem jetzigen Erscheinungsbild wieder aufzubauen. Erneut beschädigt wurde die 27,15 m hohe Galerieholländer-Windmühle während des Zweiten Weltkrieges. Diese Schäden wurden 1950 beseitigt, so dass noch bis Mitte der sechziger Jahre hier Korn gemahlen bzw. geschrotet werden konnte, allerdings nicht mehr als Haupterwerb, sondern vorrangig, um die gesamte Anlage beweglich zu halten.
Nachdem die Müllerei dann aber endgültig aufgegeben worden war, wurde für einige Jahre eine Fahrschule in der Mühle betrieben,