Heft 
(2004) Bd. 1
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Denkmalpflege in Bremen Heft 1

Georg Skalecki

Anmerkungen zu Theorien, Strategien und Perspektiven der Denkmalpflege

»Jedes Kulturdenkmal, das heute zugrunde geht, ist für alle Zeit verloren. Was wir jetzt nicht retten, kann nie mehr gerettet werden. Was wir jetzt versäumen, kann keine künftige Generation nachholen. Vor dieser Aufgabe gibt es kein Ausweichen. Nicht der Glanz einiger durchrestaurierter Großprojekte darf in dieser Zeit oberstes Ziel der Denkmalpflege sein, son­dern allein die Substanzerhaltung möglichst vieler historischer Zeugnisse über eine Periode höchster Gefahrdung hinweg.«

Diese Präambel gehört zu einer Resolution, die das Deutsche Nationalkomitee für Denk­malschutz (DNK) am 8.11.1985 in Frankfurt/ M. verabschiedet hat. Obwohl es scheinbar banal und selbstverständlich klingt, kann die­ser Appell nicht oft genug wiederholt werden. Selbst heute, 18 Jahre später, ist diese Erkennt­nis noch nicht Allgemeingut geworden, oder schlimmer noch, die Einsicht scheint wieder nachzulassen. Angesichts einer zunehmenden Rekonstruktionswelle scheint sich die Vorstel­lung allmählich zu verbreiten, dass die Origi­nalsubstanz - der einzige authentische Träger der historischen Information - verzichtbar ist, da selbst bei Verlust eines Kulturdenkmals dieses bei Bedarf ja wiederherstellbar sei. Da offenbar viele denkmalpflegerische Grundsätze einer breiten Öffentlichkeit noch nicht ausrei­chend erschlossen sind, bedarf es der ständigen Aufklärung über die Ziele unserer Arbeit.

Wenn also mit diesem Beitrag der Versuch unternommen wird, etwas zu Theorien, Strate­gien und Perspektiven der Denkmalpflege zu sagen, hat dies auch das Ziel, Verständnis für unsere Arbeit zu erreichen.

Allerdings ist Denkmalpflege nicht gleich Denkmalpflege. Es gibt selbstverständlich über die allgemeinen Grundsätze des Faches hinaus

Interpretationsspielräume und Schwerpunkt­setzungen, und es gibt Entwicklungen und Neuerungen, die sich erst allmählich durch­setzen und unter Kollegen je nach persönlicher Neigung und Umfeld bedingter Möglichkeiten unterschiedlich schnell aufgenommen werden. Auch Denkmalpflege entwickelt sich mit den gesellschaftlichen Umwälzungen und wandelt sich mit den kulturellen Veränderungen. Die Denkmalpflege ist vielfältigen externen Ein­flüssen ausgesetzt, so dass es unterschiedliche Tendenzen gibt, die es zu berücksichtigen gilt. Es sollen in diesem Beitrag ansatzweise einer­seits einige bundesdeutsche Entwicklungen Berücksichtigung finden, andererseits stehen aber Bremer Besonderheiten im Vordergrund.

Eingangs sollen ansatzweise einige Anmer­kungen zur Geschichte der institutionalisierten Denkmalpflege und der Entstehung ihrer The­orien gemacht werden.

Geschichte

Wenn man über die Aufgaben der Denkmal­pflege reflektiert - mancher Orts auch über beabsichtigte Veränderungen an dem System Denkmalpflege nachdenkt - muss man sich über die Genese und die tiefgreifende Veran­kerung dieses Arbeitsfeldes in der staatlichen Verwaltung wenigstens in Ansätzen klar werden. Entstanden im Zuge staatlicher Ver­waltungsreformen im 19. Jahrhundert ist die Denkmalpflege als hoheitlicher Auftrag - in manchen Ländern sogar als Verfassungsauftrag - formuliert. Traditionell zählt die Denkmal­pflege seit fast 200 Jahren innerhalb der Kultur­pflege zu den wichtigsten Anliegen des Staates und ist deshalb keinesfalls - weder im Ganzen

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