Neue Unterschutzstellungen
Uwe Schwartz
Krankenhaus St. Joseph-Stift in Bremen-Schwachhausen
Vor mehr als 140 Jahren wurde das Krankenhaus St. Joseph-Stift nach den Plänen des Staatsbaumeisters und Architekten in der Bremer Hochbauabteilung Heinrich Flügel (1849-1930) als erstes katholisches Krankenhaus in Bremen errichtet. Den Auftrag für den zwischen 1878 und 1880 ausgeführten Bau hatte der 1869 gegründete »Verein für das St. Joseph-Stift« erteilt. Die allgemeinen Krankenanstalten an der Sankt-Jürgen-Straße waren damals infolge des Bevölkerungswachstums Bremens zunehmend überbelegt und die Stadt benötigte dringend neue Krankenhausplätze. Heinrich Flügel war damals noch sehr jung, hatte erst 1877 seine Ausbildung zum Baukondukteur 1. Klasse in der Bremer Bauverwaltung abgeschlossen, aber gleich den Großauftrag zur Errichtung des Schlachthofs auf der Bremer Bürgerweide erhalten. Weil er zudem noch in katholischem Glauben erzogen worden war, erschien Flügel dem Verein offensichtlich als geeignet für diesen bedeutenden Auftrag.
Der Bauplatz des neuen Krankenhauses lag zu diesem Zeitpunkt noch weit außerhalb der Stadt an der Schwachhauser Chaussee in der Pagentorner Vorstadt. Die Duckwitzstraße (heutige Schubertstraße) war noch nicht angelegt, die gegenüberliegende Ausflugsgaststätte »Ludwigslust« aber bereits um 1870 eröffnet worden.
Der erste, 1880 fertiggestellte Bauabschnitt des St. Joseph-Stifts (der heutigen Schubertstraße folgend) hatte 60 Betten in Achter- und Viererzimmern sowie einige Einzelzimmer. Hinzu kam ein Operationssaal im Zentrum des Erdgeschosses. Flügel entwarf ein dreigeschossiges Gebäude mit einhüftiger Erschließung des Inneren. Sämtliche Zimmer waren nach Westen ausgerichtet. Das Erdgeschoss fungierte in
der Fassade optisch als Sockelgeschoss, über dem sich die zwei Hauptgeschosse erhoben, die ursprünglich von einem steilen Dach abgeschlossen wurden. Das mittlere Drittel der Fassade ist für die Unterbringung des zentralen Treppenhauses als Risalit vorgezogen und beherbergte außerdem noch seitlich die Sanitäreinrichtungen des Krankenhauses. Dem Haupteingang in der Mitte des Risalits war ursprünglich ein überdachter Vorbau mit beidseitiger Auffahrt vorgelagert, der es erlaubte, auch im Regen mit den Kranken trocken in das Gebäudeinnere zu gelangen. Erhalten hat sich die leicht vorspringende Rahmung der Eingangsachse, die mit den jeweils drei Fenstern auf Höhe der Zwischenpodeste des Treppenhauses die Dachtraufe durchbricht und in einem Spitzbogen abschließt. Dieser Spitzbogen wurde ursprünglich von einem fünfteiligen Staffelgiebel gerahmt und in der Vertikale überhöht von einem quadratischen Glockenturm, der sich als Dachreiter auf dem Dachfirst befand.
Die älteste Fotografie des Krankenhauses St. Joseph-Stift
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