Heft 
(2022) Bd. 19. Siedlungen
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Neue Unterschutzstellungen

Uwe Schwartz

Krankenhaus St. Joseph-Stift in Bremen-Schwachhausen

Vor mehr als 140 Jahren wurde das Krankenhaus St. Joseph-Stift nach den Plänen des Staats­baumeisters und Architekten in der Bremer Hochbauabteilung Heinrich Flügel (1849-1930) als erstes katholisches Krankenhaus in Bremen errichtet. Den Auftrag für den zwischen 1878 und 1880 ausgeführten Bau hatte der 1869 ge­gründete »Verein für das St. Joseph-Stift« er­teilt. Die allgemeinen Krankenanstalten an der Sankt-Jürgen-Straße waren damals infolge des Bevölkerungswachstums Bremens zunehmend überbelegt und die Stadt benötigte dringend neue Krankenhausplätze. Heinrich Flügel war damals noch sehr jung, hatte erst 1877 seine Ausbildung zum Baukondukteur 1. Klasse in der Bremer Bauverwaltung abgeschlossen, aber gleich den Großauftrag zur Errichtung des Schlachthofs auf der Bremer Bürgerweide er­halten. Weil er zudem noch in katholischem Glauben erzogen worden war, erschien Flügel dem Verein offensichtlich als geeignet für die­sen bedeutenden Auftrag.

Der Bauplatz des neuen Krankenhauses lag zu diesem Zeitpunkt noch weit außerhalb der Stadt an der Schwachhauser Chaussee in der Pagentorner Vorstadt. Die Duckwitzstraße (heutige Schubertstraße) war noch nicht ange­legt, die gegenüberliegende Ausflugsgaststätte »Ludwigslust« aber bereits um 1870 eröffnet worden.

Der erste, 1880 fertiggestellte Bauabschnitt des St. Joseph-Stifts (der heutigen Schubert­straße folgend) hatte 60 Betten in Achter- und Viererzimmern sowie einige Einzelzimmer. Hin­zu kam ein Operationssaal im Zentrum des Erdgeschosses. Flügel entwarf ein dreigeschossi­ges Gebäude mit einhüftiger Erschließung des Inneren. Sämtliche Zimmer waren nach Wes­ten ausgerichtet. Das Erdgeschoss fungierte in

der Fassade optisch als Sockelgeschoss, über dem sich die zwei Hauptgeschosse erhoben, die ursprünglich von einem steilen Dach ab­geschlossen wurden. Das mittlere Drittel der Fassade ist für die Unterbringung des zentra­len Treppenhauses als Risalit vorgezogen und beherbergte außerdem noch seitlich die Sanitär­einrichtungen des Krankenhauses. Dem Haupt­eingang in der Mitte des Risalits war ursprüng­lich ein überdachter Vorbau mit beidseitiger Auffahrt vorgelagert, der es erlaubte, auch im Regen mit den Kranken trocken in das Ge­bäudeinnere zu gelangen. Erhalten hat sich die leicht vorspringende Rahmung der Eingangs­achse, die mit den jeweils drei Fenstern auf Höhe der Zwischenpodeste des Treppenhau­ses die Dachtraufe durchbricht und in einem Spitzbogen abschließt. Dieser Spitzbogen wur­de ursprünglich von einem fünfteiligen Staffel­giebel gerahmt und in der Vertikale überhöht von einem quadratischen Glockenturm, der sich als Dachreiter auf dem Dachfirst befand.

Die älteste Fotografie des Krankenhauses St. Joseph-Stift

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