Schräder - Das Scharnhorstquartier in Bremerhaven
Tim Schräder
Das Scharnhorstquartier in Bremerhaven -
ein städtebaulich und architektonisch anspruchsvolles
Wohnviertel der 1920er-Jahre
Geschlossene, langgestreckte Wohnblöcke mit hoch aufragenden Klinker- und Putzfassaden in zurückhaltender Formensprache - so präsentiert sich das sogenannte Scharnhorstquartier im Stadtteil Mitte der Seestadt Bremerhaven. Auf den ersten Blick wirkt das Viertel zwischen Gneisenaustraße, Bürgermeister-Smidt-Straße (ehem. Kaiserstraße), Kantstraße und Waldemar- Becke-Platz eher unscheinbar. Schaut man allerdings etwas genauer hin und taucht in die Baugeschichte der Gebäudegruppe ein, wird schnell klar: Dieses Wohnviertel ist sozial-, architektur- und städtebaugeschichtlich ein besonderes Zeugnis des Mietwohnungsbaus der Zwischenkriegsjahre. Hier manifestiert sich nicht nur die Reformbewegung zur Verbesserung der Wohnsituation für breite Schichten der Bevölkerung, gleichzeitig kommt auch die klare Formensprache der Architektur der aufkommenden Moderne zum Ausdruck. Ein Teil des Ensembles steht aus diesen Gründen seit 2009 unter Denkmalschutz. 1
Ein kurzer Rückblick: Wohnraummangel durch steigende Bevölkerungszahlen und verbreitet schlechte Wohnverhältnisse bestimmten Anfang des 20. Jahrhunderts das Leben in vielen Städten. Düstere, enge Räumlichkeiten, qualmende Öfen, kein fließendes Wasser und Gemeinschafts toiletten im Hinterhof waren für viele Familien Wohnalltag. Die drängende Wohnungsfrage beschäftigte auch die Stadt Bremerhaven. Julius Hagedorn (1874-1943), seinerzeit Stadtbaurat in Bremerhaven, setzte sich maßgeblich für den sozialen Wohnungsbau in der Seestadt ein. Auf Antrag Hagedorns beschloss die Stadt im Jahre 1921 ein städtisches Wohnungsbauprogramm. Ziel war es, ein neues Wohnquartier mit bezahlbarem Wohnraum für
Topografische Grundkarte des Deutschen Reiches, Stand Januar 1931 Die Wohnanlagen I-XI sind der Auftakt zur Bebauung der Stadterweiterung Bremerhavens
Arbeiterfamilien zu realisieren und dabei gleichzeitig großzügigere und gesunde Wohnverhältnissen zu schaffen. In mehreren Bauabschnitten entstanden bis 1931 rund 500 Wohnungen. 2
Um dem vielerorts vorherrschenden Wohnungselend ein Ende zu setzen, wurden die in Blockrandbebauung gestalteten Wohnhäuser höchst fortschrittlich und modern gestaltet. Große Fenster sorgten für ausreichend Tageslicht und frische Luft in den Wohnräumen. Die Wohnungen wurden mit eigenem Badezimmer und überwiegend mit Zentralheizung