Heft 
(2022) Bd. 19. Siedlungen
Seite
61
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Todenhöfer - Die Gartenstadt Sehwaehhausen von Heinz Stoffregen

Achim Todenhöfer

Die Gartenstadt Schwachhausen von Heinz Stoffregen

Circa drei Kilometer nordwestlich der Altstadt, etwas versteckt gelegen, kann von Spaziergän­gern im Bremer Stadtteil Radio Bremen das Straßengeviert Bordenauer Straße, Großgör­schen-, Großbeeren- und Loignystraße entdeckt werden - ein Viertel mit einer sich von den angrenzenden Quartieren deutlich unterschei­denden Architektur. Mit ihren gartenumgebe­nen Einfamilienhäusern aus Solitär-, Doppel­oder Fünffachreihenbauten und ihren markant verspringenden Trauf-, Giebel- und Firstlinien, den Vor- und Rücksprüngen an den Fassaden, ihren Eckern, Baikonen, Terrassen und mar­kanten Schornsteinen bietet es den Betrachtern ein trotz der scheinbaren Vielfalt abwechslungs­reiches und vorstädtisches bzw. kleinstädtisches Ambiente dar, welches sich von dem für die bremischen Vorstädte so typischen und relativ gleichförmigen Reihenhausprinzip angemessen absetzt. Wir befinden uns in der sogenannten »Gartenstadt« Schwachhausen, die mit dem Na­men des bekannten Bremer Architekten Heinz Stoffregen (1879-1929) in Verbindung steht und deren Häuser in den Jahren nach 1907 bis vor dem Ersten Weltkrieg errichtet wurden.

Stadtgeschichtliches

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag das Bau­grundstück des Gartenstadtviertels noch in ei­ner nur relativ schwach besiedelten Wiesenland­schaft. Das daran anschließende Hollerland mit den Dörfern Oberneuland und Rockwinkel prä­sentierte sich damals bereits baulich als eine Mischung aus bäuerlichen Hallenhäusern mit Reetdächern sowie klassizistischen Landhäusern und Parkanlagen. Erst gegen Ende des 18. Jahr­hunderts und vor allem im 19. Jahrhundert

folgten an der Schwachhauser Chaussee bis Horn und Lehe eine Reihe von Villen mit mehr oder weniger großen Gärten: zum Beispiel das Landhaus Meier (ab 1869) oder das benachbarte ehemalige Landgut Focke-Fritze, Horner Heer­straße 11 (ab circa 1750), das heute nach seinem berühmtesten Eigentümer, dem Bremer Auto- konstrukteur Carl F. W Borgward (1890-1963), Villa Borgward genannt wird. Hierhin - ins Ländliche, zog es die Bremer Oberschicht, die dem Qualm der wachsenden Industrieviertel und schlechten hygienischen Bedingungen der engen Arbeiter- und Innenstadtquartiere in der Nachbarschaft zu entkommen wünschten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beplante die »Bremer Terrain-Gesellschaft« den heutigen Ortsteil Radio Bremen zwischen Schwachhau­ser Chaussee (jetzt Schwachhauser Heerstraße) und Vahrer Straße (jetzt Bürgermeister-Spitta- Allee) (vgl. Stoffregen 1908, 96). Die Unter­nehmer des Unterfangens versprachen sich viel von dem Ansatz des »im freien Garten liegen­den Einfamilienhauses« (ebd. 1908, 95). Die meisten Architekten der damaligen Zeit sahen darin ihr Ideal und der immense Flächenver­brauch bei einer lockereren Bebauung war da­mals offenbar noch kein Thema. Der Projekt­entwickler im Bereich Bordenauer Straße, Groß­görschen-, Großbeeren- und Loignystraße war das Baugeschäft der Gebrüder Greten, die das ca. vier Hektar umfassende Grundstück er­worben hatten.

Heinz Stoffregen

Als Rudolf August Heinrich (Heinz) Stoffregen an einem Novembertag im Jahr 1879 geboren wurde, wussten seine Eltern vermutlich bereits,