Heft 
(2022) Bd. 19. Siedlungen
Seite
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Schümmer - Städtebau im 19. Jhd. Die Bauunternehmen der Östlichen Vorstadt

Carolin Schümmer

Städtebau im späten 19. Jahrhundert.

Die Bauunternehmen der Östlichen Vorstadt

»In keinem anderen Stadtteil Bremens sind so viele Unternehmerstraßen angelegt und mit Reihenhäusern bebaut worden wie in der Östli­chen Vorstadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts. Insbesondere im Ostertor, Steintor und Fesenfeld waren zahlreiche Bauunterneh­mer tätig, die nach Aufhebung der Torsperre auf den Gemüseäckern und Sommerhausgärten ab ca. 1850 sukzessive Straßenzüge schufen, die das Bild der Vorstadt und ihren einzigartigen Charakter bis heute prägen. Im Gegensatz zu anderen Städten, in denen vornehmlich Bau­gesellschaften den Wohnungsbau vorantrieben, lag die Bautätigkeit in Bremen in den Händen von Einzelpersonen, die als Maurer oder Zim­merer, Architekten und Baumeister kleine und große Bauunternehmen führten und allmählich zu ansehnlichem Reichtum gelangten. Geld­geber waren häufig Bremer Kaufleute, denen die blühende Wirtschaft hohe Handelsgewinne eingebracht hatte, die sie nun in Immobilien investierten. Die gutbürgerlichen Wohnquar­tiere wuchsen, weil politische Umwälzungen, wirtschaftliche Voraussetzungen und städtebau­liche Neuerungen den Weg für viele Bauunter­nehmen bereiteten, an der zunächst lukrativen, aber ab 1873 stagnierenden und höchst riskan­ten Boden- und Bauspekulation teilzuhaben.

Der ebenfalls in diesem Heft publizierte Beitrag »Das Bremer Haus. Der Sonderweg Bre­mens im Wohnungsbau der Gründerzeit« von Marianne Ricci geht der Frage nach, welche Faktoren für die Entstehung des Bremer Hauses maßgeblich waren, sodass sich dieser beson­dere, für Bremen charakteristische Haustyp ent­wickeln konnte. Dabei werden sowohl unter­schiedliche Bautypen und Stile als auch die Geschichte der Vorstadt thematisiert, sodass im Folgenden auf eine umfassende typologische

Einordnung des Bremer Hauses und eine histo­rische Darlegung verzichtet werden kann. Der Fokus des vorliegenden Beitrags liegt auf der Stadterweiterung in der Östlichen Vorstadt und im Besonderen auf den dort zwischen 1850 und 1900 tätigen Bauunternehmen.

Die frühe Bebauung im Ostertorviertel. Die Rolle der Maurer- und Zimmergesellen

Im Jahr 1849 wurde die Torsperre aufgehoben und den Bürgern der Vorstadt das Stadtrecht zugesprochen. Damit wurde das Ostertorvier­tel auch für das bürgerliche Milieu interessant. Bis dahin wohnten vor allem einfache Leute, zumeist Zigarrenmacher und Handwerker, in kleinen Arbeiterhäusern in der Köpkenstraße und Kreuzstraße sowie in der Friedrich-, Hein­rich-, Weser-, Albrecht- und Poststraße, die zwi­schen 1840 und 1850 bebaut worden waren.

Mit der politischen Wende Mitte des 19. Jahrhunderts und den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktoren 1 stieg die Einwoh­ner- und Häuserzahl in der Ostertorvorstadt bis zum östlichen Ende am Dobbengraben zu­sehends an.

Im Baugeschäft waren zahlreiche Maurer­und Zimmergesellen tätig. Diesbezüglich weist Klaus Schwarz darauf hin, dass zwei Drittel der zwischen 1851 und 1860 erbauten Häuser von selbstständig tätigen Gesellen stammten. 2 So wurde beispielsweise 1850 dem Maurergesel­len Chr. Bischoff durch den Senat die Geneh­migung erteilt, die wenige Jahre später nach ihm benannte Bischoffstraße anzulegen und dort Reihenhäuser zu errichten. Ein Jahr darauf ent­stand durch Maurer H. Ch. Böhlcke und den