Heft 
(2019) Bd. 16. Bremen und Skandinavien
Seite
83
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Skalecki - Die Architektur der Bremer Domkirchen des 8. bis 11. Jahrhunderts

Georg Skalecki

Die Architektur der Bremer Domkirchen des 8. bis 11. Jahrhunderts - Versuch einer bauhistorischen Einordnung

Das Europäische Kulturerbejahr 2018 bietet Anlass und Rahmen für eine Beschäftigung mit der Geschichte Bremens im frühen Mittelalter und dabei auch Platz für eine Analyse der Stel­lung der Bremer Domkirchen des 8. bis 11. Jahr­hunderts innerhalb der Architekturgeschichte. Gerade in den ersten 300 Jahren nach Grün­dung des Bistums kam dem Bremer Dom als Institution eine außergewöhnliche Funktion zu als eine Art Relaisstation zwischen dem römisch-christlich zivilisierten Frankenreich und dem noch weitgehend unerschlossenen europäischen Norden. Welchen Niederschlag diese herausragende Stellung auch in der Archi­tektur gefunden hat, soll in dem vorliegenden Beitrag untersucht werden.

Karl der Große setzte Bremen mit der ver­antwortungsvollen Vermittleraufgabe als nörd­lichstes Bistum ein. Er steht wie kein anderer für das frühe Zusammenwachsen Europas und wurde bereits 1965 in Aachen in einer vielbeach­teten Ausstellung unter der Schirmherrschaft des Europarates als erster »Europäer« gefeiert. 1 Was Karl in Bremen angestoßen hat, und was sich baulich am Dom unter seiner Regentschaft und der seiner Nachfolger bis ins frühe 12. Jahr­hundert hinein ereignet hat, soll in dieser baugeschichtlichen Untersuchung mit neuen Ansätzen beleuchtet werden.

Trotz der zweifelsfrei herausragenden Stel­lung des Bistums Bremen, ab 847 sogar Erzbis­tum mit kaiserlichem, päpstlichem, politischem und religiösem Auftrag als »Rom des Nordens«, ist die Kenntnis von der Gestalt der jeweiligen Dombauten sowie deren Stellung innerhalb der Architekturgeschichte des frühen Mittel­alters noch unzureichend erforscht. Die Gründe hierfür sind vielfältig und können hier nicht

erschöpfend beleuchtet werden. Im Wesent­lichen resultiert die schlechte Forschungslage jedoch zum einen daraus, dass die Quellen zur Baugeschichte nach diversen Verlusten äußerst lückenhaft und, kritisch betrachtet, in Teilen auch anzuzweifeln sind. Zum anderen waren bisher keine wirklich bauforschenden detail­lierten Untersuchungen des Bauwerks möglich. Eine archäologische Untersuchung des Mittel­schiffs in den Jahren 1974/75 und 1979 während des Einbaus der Heizungskanäle im Boden brachte Spuren der Vorgängerbauten zutage, jedoch fehlt bis heute eine kritische Aufarbei­tung dieser architektonischen Spuren in Form einer befundorientierten Chronologie und einer besonderen Einordnung der Ergebnisse in den architekturgeschichtlichen Kontext. Die sensa­tionellen Funde der Bischofsgräber zogen die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Es gab bisher auch keine Ansätze, durch Analogieschlüsse die architektonischen Befunde der Vorgänger­bauten zu interpretieren und so Aussagen zur ursprünglichen Gestalt des Bremer Domes zu machen. Die vom Ausgräber, dem Landes­archäologen Karl Heinz Brandt, bedauerten Be­schränkungen spiegeln sich in seinem knappen Vorbericht von 1977 wider, dem dann keine weitere tiefergehende Analyse mehr folgte. 2 Jahr­zehnte zuvor hatte 1931 Helen Rosenau einige Schürfungen im und am Dom durchgeführt, die angesichts der nur punktuellen Untersu­chungen beachtliche Ergebnisse, hauptsächlich aber zum Dom des 11. Jahrhunderts, zutage förderten. 3 Darüber hinaus gab es nur wenige Einzelveröffentlichungen, die kaum erhellen­de Erkenntnisse beisteuern konnten, wobei der karolingische Dom meist kein wissen­schaftliches Interesse hervorgerufen hat und