Heft 
(2019) Bd. 16. Bremen und Skandinavien
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Weidinger - Die Nordlandmission der Bremer Kirche im Früh- und Hochmittelalter

Ulrich Weidinger

Staatsmacht und Diplomatie im Dienst der Glaubensverkündigung: Die Nordlandmission der Bremer Kirche im Früh- und Hochmittelalter

Bremen, das im Mittelalter jahrhundertelang führend an der Missionierung des europäischen Nordens und teilweise auch des slawischen Ostens beteiligt war, war am Beginn seiner geschichtlichen Entwicklung zur Zeit der Sach­senkriege Karls des Großen selbst Ziel missio­narischer Bemühungen. Karl betrieb damals zugleich mit der Unterwerfung der Sachsen deren völlige Christianisierung, weil diese - so Karls Biograf Einhard - »ein wildes Volk waren, das Götzen anbetete und dem Christentum feindlich gesinnt war«. 1 Die Ausbreitung der fränkischen Herrschaft und des Christentums gingen also Hand in Hand. 2

Protagonist der Sachsenmission im Unter­weserraum um Bremen war der aus North- umbrien stammende angelsächsische Missio­nar Willehad. Allerdings war Willehad nicht der erste angelsächsische Missionar auf fest­ländischem sächsischen und friesischen Boden. Vor ihm hatten bereits angelsächsische Glau­bensboten wie etwa Wilfried von York, die beiden Ewalde oder Lebuin den Versuch unter­nommen, ihre sächsischen Brüder auf dem Festland zum Christentum zu bekehren. Aus dem weitgehenden Scheitern dieser »privaten« Bekehrungsbemühungen 3 zog Willehad - ähn­lich wie vor ihm bereits der Germanenapostel Winfried-Bonifatius - nun die Konsequenzen. Er suchte den engen Anschluss an die im Sü­den und Westen an das sächsische Stammes­gebiet grenzende fränkische Staatsmacht, um für seine Unternehmungen politische Rücken­deckung zu erlangen. Dass Karl der Große da­mals die militärische Unterwerfung der Sach­sen unmittelbar mit deren Bekehrung zum Christentum verband, war dabei für Willehad selbstverständlich von unschätzbarem Vorteil,

vermochten doch somit die fränkischen Militär­operationen der christlichen Mission den Weg zu ebnen. 4

Das strategische Bündnis des Sachsenmis­sionars Willehad mit der fränkischen Staats­gewalt äußerte sich nicht zuletzt darin, dass allen wichtigen missionarischen Weichenstel­lungen Willehads politische Entscheidungen des Frankenherrschers Karls des Großen zu­grunde lagen. So wies König Karl, nachdem er die Kunde von Willehads missionarischem Eifer vernommen hatte, diesem um 780 den zwi­schen Unterweser und Unterelbe gelegenen Gau Wigmodien 5 als festen künftigen Missions­sprengel zu, damit er dort im Auftrag des Frankenkönigs Kirchen baue, den Leuten das

Karl der Große (Ii.) und Willehad (re.) mit dem Modell des Bremer Doms, Relief von der Brüstung der Westempore des St. Petri-Doms, um 1500. Symbolträchtiges Stifterbild für Dom und Stadt