Weidinger - Die Nordlandmission der Bremer Kirche im Früh- und Hochmittelalter
Ulrich Weidinger
Staatsmacht und Diplomatie im Dienst der Glaubensverkündigung: Die Nordlandmission der Bremer Kirche im Früh- und Hochmittelalter
Bremen, das im Mittelalter jahrhundertelang führend an der Missionierung des europäischen Nordens und teilweise auch des slawischen Ostens beteiligt war, war am Beginn seiner geschichtlichen Entwicklung zur Zeit der Sachsenkriege Karls des Großen selbst Ziel missionarischer Bemühungen. Karl betrieb damals zugleich mit der Unterwerfung der Sachsen deren völlige Christianisierung, weil diese - so Karls Biograf Einhard - »ein wildes Volk waren, das Götzen anbetete und dem Christentum feindlich gesinnt war«. 1 Die Ausbreitung der fränkischen Herrschaft und des Christentums gingen also Hand in Hand. 2
Protagonist der Sachsenmission im Unterweserraum um Bremen war der aus North- umbrien stammende angelsächsische Missionar Willehad. Allerdings war Willehad nicht der erste angelsächsische Missionar auf festländischem sächsischen und friesischen Boden. Vor ihm hatten bereits angelsächsische Glaubensboten wie etwa Wilfried von York, die beiden Ewalde oder Lebuin den Versuch unternommen, ihre sächsischen Brüder auf dem Festland zum Christentum zu bekehren. Aus dem weitgehenden Scheitern dieser »privaten« Bekehrungsbemühungen 3 zog Willehad - ähnlich wie vor ihm bereits der Germanenapostel Winfried-Bonifatius - nun die Konsequenzen. Er suchte den engen Anschluss an die im Süden und Westen an das sächsische Stammesgebiet grenzende fränkische Staatsmacht, um für seine Unternehmungen politische Rückendeckung zu erlangen. Dass Karl der Große damals die militärische Unterwerfung der Sachsen unmittelbar mit deren Bekehrung zum Christentum verband, war dabei für Willehad selbstverständlich von unschätzbarem Vorteil,
vermochten doch somit die fränkischen Militäroperationen der christlichen Mission den Weg zu ebnen. 4
Das strategische Bündnis des Sachsenmissionars Willehad mit der fränkischen Staatsgewalt äußerte sich nicht zuletzt darin, dass allen wichtigen missionarischen Weichenstellungen Willehads politische Entscheidungen des Frankenherrschers Karls des Großen zugrunde lagen. So wies König Karl, nachdem er die Kunde von Willehads missionarischem Eifer vernommen hatte, diesem um 780 den zwischen Unterweser und Unterelbe gelegenen Gau Wigmodien 5 als festen künftigen Missionssprengel zu, damit er dort im Auftrag des Frankenkönigs Kirchen baue, den Leuten das
Karl der Große (Ii.) und Willehad (re.) mit dem Modell des Bremer Doms, Relief von der Brüstung der Westempore des St. Petri-Doms, um 1500. Symbolträchtiges Stifterbild für Dom und Stadt