Heft 
(2019) Bd. 16. Bremen und Skandinavien
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Hofmeister - Bremens Handelsbeziehungen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

Adolf E. Hofmeister

Bremens Handelsbeziehungen zu Skandinavien im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

1. Einführung

Bremen und Skandinavien verband vom 9. bis zum 11. Jahrhundert die christliche Mission und Kirchenorganisation des europäischen Nor­dens, seitdem Erzbischof Ansgar nach Aufgabe seines Missionsstützpunkts Hamburg 845 die Mission in Dänemark und Schweden von Bre­men aus weiter vorantrieb. Daran knüpften seine Nachfolger auf dem seit 864 in Bremen verankerten Erzbischofsstuhl mehr oder we­niger an, bis es im 12. Jahrhundert Dänen, Norwegern und Schweden in Kontakt mit den Päpsten gelang, eigene nationale Erzbistümer zu begründen. 1 Hier ist die Frage, ob sich das auch auf Bremens Handelsbeziehungen zu Skandinavien ausgewirkt hat und wie sich Bre­mens Handel mit Skandinavien und den nord­atlantischen Inseln vom 12. Jahrhundert bis in die frühe Neuzeit gestaltete. Urkunden dazu setzen erst im 13. Jahrhundert ein, 2 also nach der Verselbständigung der nordischen Kirchen­organisation. Es läge daher nahe, sich über­haupt auf das 13. bis 16. Jahrhundert zu be­schränken. Allerdings lässt sich zeigen, dass Bremen auch früher schon ein Handelsplatz mit Verbindungen zu Skandinavien war, was ich in Hinblick auf die Vortragsreihe, die sich vornehmlich dem Früh- und Hochmittelalter zuwendet, näher ausfuhren will. Das 12. Jahr­hundert bedeutet dann eine Zäsur, nicht nur für Bremens kirchliche Stellung, sondern auch für seinen Handel, wie ich in einem eigenen Abschnitt skizziere. Nachfrage und Produk­tion stiegen, die Handelswege verlagerten sich. Für Bremen wurde im 13. Jahrhundert Nor­wegen wichtiger als Schweden, und im 15. und 16. Jahrhundert wurden Island und die Shetland-Inseln wichtige Handelspartner auf

der Suche nach Kabeljau und Hering. Erst für das 16. und 17. Jahrhundert lässt sich der Handel mit Fisch, dem für Bremen wichtigsten Handelsgut aus dem Norden, auch mengen­mäßig abschätzen.

2. Bremen als Handelsplatz vom 9. bis zum 12. Jahrhundert

Die Frage, was Bremen um 800 zum Bischofs­sitz qualifizierte, ist mehrfach gestellt und diffe­renziert beantwortet worden. 3 Als Voraussetzun­gen für Bistumsgründungen im alten Sachsen galten eine günstige Verkehrslage und eine zahl­reiche Bevölkerung oder wenigstens ein oft besuchter Ort. 4 Die günstige Lage auf der früh besiedelten Düne, die Achimer und Vegesacker Geest verbindet, und an einem Weserübergang per Fähre war gegeben. Hinzu kam die geschütz­te Hafensituation für Schiffe von der Nordsee mit dem Ubergang zur Flussschifffahrt auf der oberen Weser. 5 Die damalige Siedlungsgröße lässt sich schwer abschätzen. Das landwirtschaft­lich nutzbare Hinterland war gering. Doch zeichnet sich nach archäologischen Befunden eine ausgedehnte Besiedlung entlang der Weser mit drei Schwerpunkten, der Domburg auf der Höhe der Düne, der Schiffslende an der Balge und einer Speicher- und Handwerkersiedlung an der Langenstraße, ab. 6 Auf eine frühe Markt­funktion als Handelsemporium bzw. Wiksied­lung kann man ähnlich wie in Hamburg schlie­ßen. 7 Die Annahme einer frühen Zentralität wird durch die indirekt bezeugte Missions­station in Bremen bei der ersten schriftlichen Erwähnung Bremens 782 gestützt - der Missio­nar Gerwal und seine Gefährten wurden hier

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