Hofmeister - Bremens Handelsbeziehungen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit
Adolf E. Hofmeister
Bremens Handelsbeziehungen zu Skandinavien im Mittelalter und in der frühen Neuzeit
1. Einführung
Bremen und Skandinavien verband vom 9. bis zum 11. Jahrhundert die christliche Mission und Kirchenorganisation des europäischen Nordens, seitdem Erzbischof Ansgar nach Aufgabe seines Missionsstützpunkts Hamburg 845 die Mission in Dänemark und Schweden von Bremen aus weiter vorantrieb. Daran knüpften seine Nachfolger auf dem seit 864 in Bremen verankerten Erzbischofsstuhl mehr oder weniger an, bis es im 12. Jahrhundert Dänen, Norwegern und Schweden in Kontakt mit den Päpsten gelang, eigene nationale Erzbistümer zu begründen. 1 Hier ist die Frage, ob sich das auch auf Bremens Handelsbeziehungen zu Skandinavien ausgewirkt hat und wie sich Bremens Handel mit Skandinavien und den nordatlantischen Inseln vom 12. Jahrhundert bis in die frühe Neuzeit gestaltete. Urkunden dazu setzen erst im 13. Jahrhundert ein, 2 also nach der Verselbständigung der nordischen Kirchenorganisation. Es läge daher nahe, sich überhaupt auf das 13. bis 16. Jahrhundert zu beschränken. Allerdings lässt sich zeigen, dass Bremen auch früher schon ein Handelsplatz mit Verbindungen zu Skandinavien war, was ich in Hinblick auf die Vortragsreihe, die sich vornehmlich dem Früh- und Hochmittelalter zuwendet, näher ausfuhren will. Das 12. Jahrhundert bedeutet dann eine Zäsur, nicht nur für Bremens kirchliche Stellung, sondern auch für seinen Handel, wie ich in einem eigenen Abschnitt skizziere. Nachfrage und Produktion stiegen, die Handelswege verlagerten sich. Für Bremen wurde im 13. Jahrhundert Norwegen wichtiger als Schweden, und im 15. und 16. Jahrhundert wurden Island und die Shetland-Inseln wichtige Handelspartner auf
der Suche nach Kabeljau und Hering. Erst für das 16. und 17. Jahrhundert lässt sich der Handel mit Fisch, dem für Bremen wichtigsten Handelsgut aus dem Norden, auch mengenmäßig abschätzen.
2. Bremen als Handelsplatz vom 9. bis zum 12. Jahrhundert
Die Frage, was Bremen um 800 zum Bischofssitz qualifizierte, ist mehrfach gestellt und differenziert beantwortet worden. 3 Als Voraussetzungen für Bistumsgründungen im alten Sachsen galten eine günstige Verkehrslage und eine zahlreiche Bevölkerung oder wenigstens ein oft besuchter Ort. 4 Die günstige Lage auf der früh besiedelten Düne, die Achimer und Vegesacker Geest verbindet, und an einem Weserübergang per Fähre war gegeben. Hinzu kam die geschützte Hafensituation für Schiffe von der Nordsee mit dem Ubergang zur Flussschifffahrt auf der oberen Weser. 5 Die damalige Siedlungsgröße lässt sich schwer abschätzen. Das landwirtschaftlich nutzbare Hinterland war gering. Doch zeichnet sich nach archäologischen Befunden eine ausgedehnte Besiedlung entlang der Weser mit drei Schwerpunkten, der Domburg auf der Höhe der Düne, der Schiffslende an der Balge und einer Speicher- und Handwerkersiedlung an der Langenstraße, ab. 6 Auf eine frühe Marktfunktion als Handelsemporium bzw. Wiksiedlung kann man ähnlich wie in Hamburg schließen. 7 Die Annahme einer frühen Zentralität wird durch die indirekt bezeugte Missionsstation in Bremen bei der ersten schriftlichen Erwähnung Bremens 782 gestützt - der Missionar Gerwal und seine Gefährten wurden hier
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