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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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VIII. Die Staaten und Kolonien.

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fast nur englisch sprechen, teils weil der Hanpthandel mit Orangen nach Sän'Fraucisco geht. Somit ist denn auch die Schiffahrtbewegung unbedeutend, und die Errichtung einer Dampfer­verbindung mit Europa durch die Loeieta eommsreials äs l'Oesanis mußte wegen der ungenügenden Ausfuhr Tahitis aufgegeben werden. Jetzt findet regelmäßiger Postdienst durch Segelschiffe über Nukahiwa nach Sän Francisco statt.

Papiti, der Hanpthafen Tahitis und zugleich die Hauptstadt des ehemaligen Königreichs, an der Nordwestseite der Insel, ist ein großes Dorf von 3500 Einwohnern, mit außerordentlich großem landschaftlichen Reiz, inmitten der prachtvollsten Baumpflanzungen und Gärten, ver­steckt in einer Fülle von Blumen. Die reinen Holzhäuser des Ortes siud regelmäßig angelegt und mit Pariser Straßennamen versehen; Brotfrucht- und Orangenbäume, die zusammen mit anderen tropischen Bäumen wahre Berge von Früchten liefern, hat man zu Alleen vereinigt, Kokos­palmen begrenzen überall den Strand. Papiti besitzt ein chinesisches Viertel, in dem alle Häuser aus Bambus erbaut sind; und mehr und mehr erstehen jetzt auch europäisch gebaute Häuser, wie das des Gouverneurs, an einer großen Esplanade, gerade gegenüber dem des Königs Pomare, mit breiter Veranda, ferner Gasthöfe, Kaffeehäuser rc. Eine protestantische und eine katholische Kirche geben den: Ort ein kirchliches Aussehen und werden auch von der grell in bunte Stoffe gekleideten Bevölkerung stark besucht. Das Leben in der Stadt ist ruhig und infolge des reichen Blumenschmuckes aller Eingeborenen farbenprächtig. Außer Tahitiern, Chinesen und Franzosen sind nur noch wenige Deutsche, Engländer und Amerikaner in Papiti vorhanden. Der Bevölke­rung gehöre:: auch 150 Mann Marine-Infanterie, die Besatzung der Inselgruppe, an; davon entfällt noch ein Teil auf eine kleine Besatzungstruppe auf Raiatea. Neben einer genügenden Kaserne ist ein Artillerie-Arsenal mit Werkstätten, die auch für Stationsschiffe arbeiten, vorhan­den; höchste Beamte sind der Truppenkommandant und der rangälteste Schiffsbefehlshaber. Nach den geschilderten ärmlichen Verhältnissen ist es nicht zu erwarten, daß die Kolonie Tahiti den Franzosen viel einbringt; der Handel ist ja überhaupt in ganz Französisch-Ozeanien nur sehr gering. Für 1890 ist die Höhe des Ausfuhrwertes zu 3 V? Millionen Franken angegeben; die des Einfuhrwertes betrug 3V4 Millionen Franken. Die verwickelte und umständliche Verwaltung der französischen Kolonien veranlaßt auch für Tahiti einen jährlichen Zuschuß von 1 Million Franken; allein für die Hebung der Landwirtschaft, des Verkehrs und Handels der Gruppe wird wenig gethan. Die Wege ins Innere der Insel verfallen mehr und mehr, und seit dem Besuche der Novara" 1858 ist kaum ein Fortschritt bemerkbar. Neuerdings besteht die Absicht, an den: durch eine Feste geschlitzten Isthmus von Tarawao, Port Phaeton, größere Hafenbauten, Becken für tiefgehendere Schiffe, anzulegen. Die Viehzucht geht zurück, da die Eingeborenen die Herden nicht einfriedigen und nach dem dann erfolgten Ausbrechen des Viehes lieber die Vieh­zucht ganz aufgeben, als die auf die Nachlässigkeit gelegte Geldstrafe zu entrichten.

Die kleineren Inseln haben meist keine Ortschaften von größerer Bedeutung. Aus­gezeichnet ist Raiatea (s. die Abbildung, S. 332) durch den guten Hafen Teavarua, dessen Handel fast ganz in deutschen Händen ist.

e) Die Paumotu- oder Tuamotu-Gruppe.

Die Paumotu-Jnseln zählen mit der Gambier-Gruppe und Pitcairn zusammen auf 973 Eemnur 5251 Einwohner, haben also eine Bevölkernngsdichtigkeit von 5,8 aufdas Quadrat­kilometer, sind aber trotz ihrer Kleinheit sehr wichtig wegen der ausgezeichneten Perlfischerei auf ihren Riffen. Diese bildet auch den wichtigsten Ermerbszweig der Bevölkerung und den bedeu­tendsten Ausfuhrartikel, obwohl infolge von Raubfischerei manche Perlenbänke völlig erschöpft