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VIII. Die Staaten und Kolonien.
6. Französisch-Ozeanien.
Unter der Bezeichnung „Französisch-Ozeanien" werden seit 1885 zusammengefaßt:
Die Tnlmai-Inseln.
- Tahiti-Gruppe mit den Inseln
unter den: Winde . . . .
- Marquesas-Inseln . . . .
- Paunwtu tTuainotu) . . .
211 (286) qkm
1650
1274
973
884 (1881) Einw. 4 auf 1 qlem
16370 - 10
4445 - 3
5251 - 5
4108 (4183) qkm 26 950 (27 947) Einw. 6,5 auf 1 <Min
a) Die Tubuai-Jnseln.
Die letzte Erwerbung der Franzosen in Ozeanien sind die Tubuai- oder Austral-Jn- seln, eine Gruppe von fünf Inseln, auf deren 286 gllm 1881 Einwohner Hansen. Von diesen Inseln hatte Frankreich jedoch vor 1889 nur drei besetzt, nämlich Tubuai, Rawaiwai oder Wawitao und Rapa oder Oparo, mit im ganzen 211 gkm und 884 Einwohnern. 1889 sind dann auch Rurutu und Nimitara, die am besten bevölkerten Inseln, in das Schutzgebiet ein- bezogen worden. Diese Kolonie ist noch völlig unentwickelt und ohne Bedeutung. Angebaut werden von den Eingeborenen die Nahrungsfrüchte der Südsee; doch kommt der Brotfruchtbaum auf den östlichen Inseln nicht mehr vor, und die Kokospalme trägt auf Rapa keilte Früchte. Dennoch ist ohne Zweifel die Möglichkeit vorhanden, die wichtigsten tropischen Nutzpflanzen, Kaffee, Zucker, Tabak, Baumwolle, mit Erfolg anzupflanzen.
ich Die Tahiti-Gruppe.
Unter den französischen Kolonien ist die älteste Tahiti, da sie bereits 1843 unter französischem Protektorate stand. Tahiti hatte voll jeher mehrere eingeborene Staaten meist unter Königinnen gebildet, anfangs drei, dann zwei, schließlich unter Pomare II. einer: einziger:. Dieser: Titel „Pomare" (Nacht des Hustens) haben seitdem alle Könige vor: Tahiti beibehalten. Schon Pomare II. erließ irr: Jahre 1819 eine Art Gesetzbuch und war der erste christliche König. Seitdem Haber: Christentum und europäische Sitten mehr und mehr Eingang gefunden, freilich nicht ohne Kämpfe der Konfessionen, da der: evangelischen Missionaren durch die katholische Kirche solche Konkurrenz gemacht wurde, daß sie zugleich einen Gegensatz in politischer Beziehung zwischen England und Frankreich herbeiführte. Als nun die Königin Pomare IV., gestützt auf eir: in: Lande geltendes Gesetz, 1835 zwei französische Jesuiten, die ohne ihre Erlaubnis die Insel betrete:: hatte::, auswies, schickte Louis Philippe den Kapitän Dupetit Thouars mit einer:: Kriegsschiff nach Tahiti, um Genugthuung zu fordern. Infolgedessen wurde 1838 das französische Protektorat über die Insel erzwungen und am 1. September auf der Insel Motuuta die französische Flagge gehißt: ein Abkommen, das von Dnrrwnt d'Urville gebilligt wurde. 1843 wurde aber bei Gelegeuheit der Ankunft einer englischer: Fregatte die französische Flagge wieder beseitigt, und dies führte zur Absetzung der Königin durch Frankreich, eine Maßregel, die Louis Philippe jedoch rückgängig machen mußte. Das in seinem voller: Umfang 1843 erneuerte französische Protektorat wurde seitdem von den Mächten anerkannt. Die Königin blieb indessen auf Raiatea uud überließ Tahiti seiner:: Schicksal, wo es 1844 zu einer förmlichen Schlacht zwischen Franzosen und Eingeborenen kam, bis 1846 die Unterwerfung der Insel durch die Eroberung der letzter: Bergfesten der Tahitier vollendet wurde. Pomare IV. regierte noch bis 1877 als Schattenkönigin, und 1880 trat ihr Nachfolger Pomare V. das Land endgültig ar: Frankreich ab.