Die Neuen Hebriden und Santa-Cruz-Inseln. — Die Kolonien.
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Aneytum und seit 1887 Espiritu Santo, Mallicolo und Sandwich ir: Händen haben. Ihr Erfolg ist aber gering. Einmal haben sie mit der argen geistigen Trägheit der Bevölkerung, der Zersplitterung der Stämme in einzelne Dörfer, den ewigen Fehden zwischen diesen und der Kleinheit der Dörfer zu kämpfen, die oft nur aus 20—100 Einwohnern bestehen; dann aber finden sie schwer einen Stützpunkt in der bisherigen Religion ihrer Zöglinge zur Anknüpfung der christlichen Lehre. Und so besteht das Ergebnis gewöhnlich nur in der Zurückdrängung des Kannibalismus und dem äußerlichen Tragen einiger Abzeichen des Christentums (des Kreuzes) sowie der Errichtung einer kleinen Kapelle. Dabei machen auch die Kopra-Makers den Missionaren noch Schwierigkeiten, da sie wenigstens die britischen für Handelsnebenbuhler erklären, was in vielen Fällen auch wohl zutreffen mag, und endlich bestehet: fortgesetzt Mißhelligkeiten zwischen der: französischen und englischen Missionaren: behaupten doch jene geradezu, daß ihre englischen „Brüder" die Eingeborenen gegen sie aufhetzten. Nach Jmhaus (,1^68 Muv6ll68 Hsdriäe^) soll es sogar zu Thätlichkeiten gekommen sein; dieser Gewährsmann spricht der Mission überhaupt jeglicher: Erfolg in religiöser und wirtschaftlicher Beziehung ab.
So betrug auf den Neuen Hebriden die Zahl der Weißen 1887 nur etwa 150, darunter 15 Missionare; und die einzige Insel, auf der die Kultur ein wenig eingedrungen war, war Sandwich, wo die Koeiöts ä68 ^lonv6ll68 etiva 15 Weiße unterhält. Der Nest verteilt
sich auf Mallicolo, Api, Aoba, Espiritu Santo, Ambrym, Aurora. Die französische Ansiedelung auf Sandwich führt den Namen Port Villa oder Franceville und besaß 1891 (?) etwa 30 weiße Einwohner, darunter einen Marinearzt. Eine andere Ansiedelung, Port Havannah, ist unbedeutender. Der Anbau beschäftigt sich hauptsächlich mit der Eiubürgerung der Kaffeepflanze, zwei Segelschoner dienen zur Vermittelung des Handels. Auf Tanna besteht die Ansiedeluug Port Resolution, auf Aneytum leben 40 Kopra-Makers und Holzfäller, die eine Sägemühle in Betrieb gesetzt haben. Die großen Bestände von Sandelholz auf Erromango sind bereits vernichtet.
Von den Santa-Cruz-Jnseln, 938 <Km mit 9000 Einwohnern, hält sich der französische Einfluß fern; im übrigen aber liegen die Verhältnisse hier ähnlich wie auf den Neuen Hebriden. Die Inseln besitzen bisher außer kleinen, vorübergehenden Ansiedelungen von Händlern und Missionaren keine nennenswerten europäischen Bewohner. Da zudem ihre Küsten meist noch nicht einmal genügend bekannt sind, so ist der europäische Einfluß aus ihnen noch fast unbemerk- bar: die Eingeborenen leben noch in ursprünglichem Zustande in kleinen Dorfschaften unter vielen Häuptlingei: zersplittert. Auch hier wird es noch langer Zeit bedürfen, bis sich eine europäische Kolonie herausbildet, doch werden beide Inselgruppen wahrscheinlich noch ernste Streitigkeiten zwischen Frankreich und England hervorrufen.
L. Die Kolonie».
Abgesehen von den wenigen in: Vorstehenden besprochenen einheimischen unabhängigen Staaten und den an Zahl mehr und mehr abnehmenden, noch nicht unter die europäischen Mächte verteilter: Inselgruppen ist der ganze Nest des ozeanischen Ländergebietes in dem Maße unbestritten europäische Kolonie wie kein anderer Erdteil. Die europäischer: Länder, die Australien und Ozeanien unter sich geteilt haben, sind Großbritannien, Frankreich, Holland, Deutschland und Spanien. Deutschland beschränkt sich auf Melauesien uud Mikrouesien, Spanier: auf Mikrouesien, die Niederlande auf Neuguineas Westen, Frankreich auf Polynesien und Neukale- donien; England aber hat sowohl Teile Polynesiens wie Melanesiens, vor allein jedoch Australien ganz ir: Besitz, ir: Mikronesien allerdings nur die Gilbert-Inseln.