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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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VIII. Die Staaten und Kolonien.

Ortschaften von einiger Bedeutung fehlen auf den Karolinen und Palau-Inseln voll­ständig, da lieben den Eingeborenendörfern nur kleine Handelsniederlassungen der Europäer be­stehen. Unter diesen sind die wichtigsten die der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft der Südsee, so daß der deutsche Handel auch auf dieser Inselgruppe des Stillen Ozeans der bedeutendste ist. Die ersten Handelsstationen wurdet: hier von Samoa aus von dem Hamburger Hause Cesar Godeffrop u. Sohn angelegt, das seine Handelsbeziehungen von Samoa und Tahiti über die Gilbert-, Marshall- und Karolinen-Inseln nach der Palau-Gruppe ausdehnte und auf diese Weise einen Stützpunkt für die Verbindung zwischen seinem neuen Standpunkt auf Samoa und seinem alten auf Kotschin in Vorderindien gewann. Auf Ponape (s. Abbib düng, S. 238), Z)ap und Kusaie bestehen seitdem Stationen; auf der Palau-Gruppe sind mehrere hundert Hektar Landes angekauft worden. Nachdem die Deutsche Handels- und Plantagen­gesellschaft der Südsee die Erbschaft des Hauses Godeffroy übernommen hatte, erweiterte sie den Bereich ihres Handels auf den Karolinen nicht, behielt jedoch die einmal eingenommenen Stel­lungen bei und betreibt nach wie vor in der Hauptsache Handel mit Kopra, Tripang und Schild­patt, wogegen sie durch ihre Agenten, meist südseekundige, häufig amerikanische, englische, hollän­dische Händler, allerlei europäische Waren einführen läßt. Noch jetzt ist der gesamte Handel auf diesen Inselgruppen Tauschhandel, der ausschließlich durch Segelschiffe vermittelt wird.

5. Are französischen Desihungen in Hzeanien.

Übersicht der Entwickelung:

1838: Tahiti französisches Protektorat.

1842: Die Marquesas-Jnseln französisches Protektorat. 1842: Die Paumotu- (Tuamotu-) Inseln französisches Protektorat.

1843: Französisches Protektorat über Tahiti erneuert. l844: Uea französisches Protektorat.

1853: Neukaledonien französische Kolonie.

1889: Tubuai-

1864: Loyalty-Inseln erworben.

1880: Tahiti endgültig an Frankreich abgetreten.

1886: Französisches Protektorat über Uea bestätigt. 1887: Die westlichen Inseln der Tahiti-Gruppe fran­zösisch.

1887: Futuna und Alofi französisch.

1888: Dieselben endgültig einverleibt.

Inseln französisch.

Außerdem ist in: Jahre 1887 über die Neuen Hebriden ein Neutralilätsvertrag mit Groß­britannien geschlossen worden.

Die französischen Besitzungen in der Südsee zerfallen in drei Gruppen: die Kolonie Neukaledonien mit den Loyalty- und Echesterfield-Inseln, das Schutzgebiet der Wallis-Jnseln (Uea, Futuna und Alofi) und den administrativen BezirkFranzösisch-Ozeanien", d. h. die Tahiti-Gruppe, die Marquesas-, Paumotu- und Tubuai-Inseln.

Der Größe nach verhalten sich diese Besitzungen wie folgt:

gllm Einwohner Volksdichte

Neukaledonien, Loyalty- und Chesterfield-Inseln 19824 62752 (1890) 3

Wallis-Jnseln, Uea, Futuna, Alofi. 256 6000 20

Französisch-Ozeanien. 4108 26950 (1892) 6,6

Zusammen: 24187 94700 4

Neukaledonien und seine Nachbarinscln.

Neukaledonien, von allen größeren Inseln der Südsee zuletzt entdeckt, ist zwar nicht deren älteste französische Kolonie, wohl aber die größte. Wie die obenstehende Tabelle zeigt, nimmt sie beinahe fünf Sechstel des Gesamtareals nnd zwei Drittel der Gesamtbevölkerung der französischen