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Dr. Rudolf Pocii.
Festmetastasen, durch den Pestbazillus hervorgerufen, nicht etwa symptomatisch durch die Festtoxine oder dergleichen, entstanden; ebensowenig verdanken sie ihre Entstehung neuerlichen Infektionen.
Der Zeitpunkt des Auftretens der sekundären Bubonen ist verschieden; sie entstehen bisweilen schon am ersten Tage nach dem primären Bubo, am häufigsten in den folgenden Tagen. Die sekundären Bubonen treten sehr oft neben den primären auf. Bei der Sektion werden immer außer dem primären Bubo andere Drüsengruppen infiziert gefunden. Der klinische Nachweis gelingt natürlich nur, sobald die Drüsenschwellung eine gewisse Grüße erreicht hat.
Fest fälle „ohne Bubonen 4- .
Es gibt seltenere Fälle, in denen tagelang klinisch keine „Bubonen 4- nachzuweisen sind. Nirgends findet man die Lymphdrüsen mehr als höhnen- oder haselnußgroß, keine A'erdickung der Haut darüber, keine auffallende Empfindlichkeit. Die Krankheit kann unter hohem Fieber und anderen schweren Symptomen tagelang dauern, ja die Kranken können sterben, ohne daß sich der Drüsenbefund wesentlich geändert hätte. Und doch deckt die Sektion in diesen äußerlich nicht nachweisbar veränderten Drüsen, beim Durchschneiden derselben das Bild einer typischen Festinfektion mit reichlicher Bazilleninfiltration auf. AYarum die Bubonen in diesen Fällen so klein bleiben, läßt sich nicht erklären, wie sich überhaupt keine Beziehung zwischen der Größe des Tumors und der Schwere der Erkrankung feststellen läßt.
Festerkrankungen mit foudroyan tem A’erlauf, „Pestis siderans“.
Schon den älteren Autoren waren Festerkrankungen mit ganz rapidem Verlaufe bekannt und wurden mit dem Namen „Pestis siderans“ bezeichnet. Seit dem Beginne der gegenwärtigen Festepidemie wurden solche Fälle wiederholt an verschiedenen Orten beobachtet. Die Krankheit führt oft in wenigen Stunden zum Tode. Bei hohem Fieber kann vollständige Bewußtlosigkeit eingetreten sein. Es kann aber auch bis zum Ende das Bewußtsein erhalten bleiben. Ja, es gibt ganz eigenartige Fälle, in denen weder der Kranke noch seine Umgebung irgend welche Zeichen der Erkrankung bemerkt. Mitten in seiner gewöhnlichen Beschäftigung stürzt der Kranke zusammen und ist tot. Wie bei dem im vorherigen Abschnitte geschilderten Krankheitsbilde kann man meist keine deutlichen Drüsenschwellungen tasten, bisweilen ist eine nicht vergrößerte Drüsengruppe druckschmerzhaft oder man findet eine vergrößerte Drüse, ohne daß der Kranke davon eine Ahnung hatte.
Diesem eigentümlichen Bild der Festerkrankung wird wohl eine Infektion mit sehr virulenten Erregern zugrunde liegen, die aus nicht bekannten Gründen sehr rasch zur Allgemeininfektion geführt und eine rasche Erlahmung des Herzens durch die Festgifte veranlaßt hat.
Leichte Pesterkrankungen, „Pestis minor“, „Beulenfieber 44 .
Im Ablaufe der Festepidemien werden in der Regel äußerst leicht verlaufende Infektionen beobachtet, flüchtige Erkrankungen, bei denen nur im Zusammenhänge mit der gleichzeitigen Festepidemie die Diagnose „Fest“ gemacht werden kann (Deutsche Kommission). In diesen Fällen kann es auch, oft unter ganz geringem Fieber zur Entwicklung von Bubonen kommen. Da der Eiter auch in diesen Fällen Festbazillen enthalten kann, da diese außerdem auch im Speichel bei leichten Fällen nachgewiesen wurden, kommt diesen, für das Individuum zwar weniger gefährlichen Erkrankungen gewiß eine um so größere epidemiologische Bedeutung für die Forterhaltung des Festkeimes zu.