Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
Seite
409
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Die Fest.

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An den Genitalien sind keine typischen Veränderungen beobachtet.

In 3 Fällen ,,fötaler Pest Abortus infolge von Pesterkrankung der Mutter beobachtete die deutsche Kommission parenchymatöse Degeneration der inneren Organe und zahlreiche Blutungen. Pestbazillen waren nicht nachweisbar, man nahm als Ursache der anatomischen Veränderungen die Wirkungen der Pesttoxine an.

Gehirn und Meningen.

Es besteht meist akutes Hirnödem verschieden hohen Grades. An der Innen­fläche der Dura kommen ziemlich häufig Blutungen vor.

AViederholt wurde eine eitrige, durch den Pestbazillus erregte Meningitis be­obachtet. Sie entsteht sekundär und ist, wie die sekundären Bubonen, eine Pest­metastase.

Verlauf und Prognose.

Vorboten und Beginn der Krankheit.

Wohl in der Mehrzahl der Erkrankungen fehlen alle Vorboten. Die Krank­heit beginnt mit Schüttelfrost, Kopfschmerz und Schwindel, die meist ziemlich plötz­lich, oft mitten in voller Gesundheit einsetzen, die anderen Krankheitssymptome folgen unmittelbar darauf.

Seltener werden schon mehrere Tage vorher Beschwerden beobachtet. Das sind dann die allgemein bei Infektionskrankheiten vorkommenden, nämlich Ziehen in den Gliedern, leichter Kopfschmerz, Schwindel, leichter Schauer, öfters fühlen die Kranken schon sehr frühe einen dumpfen Schmerz in der Gegend, wo sich später der primäre Bubo entwickelt.

Es gibt Fälle, wo das Bewußtsein gleich nach dem Schüttelfrost schwindet und nicht wiederkehrt, am häufigsten ist wohl das Bewußtsein vorübergehend ge­trübt. In manchen Fällen bleibt es klar bis zum Tode. Ein merkwürdiges, nicht seltenes Vorkommnis ist Unruhe und Wandertrieb.

Die älteren Autoren beschreiben mit Vorliebe einen für die Pest charakte­ristischen Gesichtsausdruck diefacies pestica. Es wird vor allem die Wild­heit des Blickes und der Ausdruck des Schreckens und der Verzweiflung im Ge­sichte als typisch angegeben. Die neueren Beobachter finden jedoch keinen kon­stanten, der Pest eigentümlichen Ausdruck heraus, sondern schildern ihn verschieden, von den verschiedenen Formen und Stadien der Krankheit abhängig. Der Gesichts­ausdruck ist bei benommenen Kranken dem typhösen ähnlich, bei schweren Bubonen schmerzlich, bei freiem Bewußtsein in der Erkenntnis der Lage ängstlich, bei schweren Delirien dagegen oft heiter; bei Halsbubonen hat das Gesicht des Kranken infolge der großen Atemnot den Ausdruck furchtbarer Angst.

Fieber.

Die Temperatur ist bei der Pest gleich anfangs sehr hoch, ein staffelförmiges Ansteigen, wie bei Typhus, kommt nicht vor; es wurden gleich am ersten Krank­heitstage Temperaturen von 41,8° C gemessen (H. F. Müller).

Das Fieber ist gewöhnlich keine reine Continua, sondern die'Pestkurve ist im Gegenteil durch das Auftreten starker Remissionen charakterisiert. Dieser Umstand ist namentlich in den Tropen sehr zu berücksichtigen, da eine Fieberkurve von Malaria tropica ähnlich aussehen kann. Die Remissionen bei Pest betragen oft bis 2 Grade und treten in der Regel morgens ein, der Höhepunkt des Fiebers fällt in die Abend- oder Nachtstunden. Der Temperaturanstieg scheint nicht von Frösteln