Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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Dr. Rudolf Poch.

begleitet zu sein. Den Remissionen kommt gar keine prognostische Bedeutung zu, weder nach der einen noch nach der anderen Richtung. Im Ablaufsstadium hat die Pestfieberkurve grobe Ähnlichkeit mit Typhus, die Remissionen werden immer tiefer und die abendlichen Exacerbationen sinken allmählich ab. Ein plötzlicher Temperaturabfall ist selten. Der Kurvenberg kann mehrere Gipfel tragen; eine Be­deutung kommt diesem Vorkommnis nicht zu.

Der Tod kann in jedem Stadium der Fieberkurve eintreten, während der Fieberhöhe ebenso wie auch später im Ablaufstadium. Man kann daher daraus, daß dasselbe eingesetzt hat, durchaus noch nicht die Prognose günstiger stellen. Absinken der Temperatur mit gleichzeitigem Anstieg der Pulskurve das Zeichen von Herzschwäche geht oft dem Tode unmittelbar voran.

Temperaturen bis 41° C und darüber sind nicht selten, es können sogar Fälle mit so hoher Temperatur genesen. Als höchste, kurz vor dem Tode gemessene Temperaturen gibt die deutsche Pestkommission 42,5° und 42,8° C an.

Als Dauer des Fiebers kann man bei Kranken, die genesen, G bis 9 Tage im Durchschnitte annehmen, jedoch kann dieselbe durch Rezidive, operative Eingriffe, sekundäre pneumonische Herde, wesentlich verlängert werden.

Subnormale Temperaturen sind im akuten Stadium selten, bei Rekon­valeszenten können sie jedoch nach der Entfieberung tagelang beobachtet werden.

Beschreibung der Fieberkurven (s. S. 410411). 1 )

Fig. 1. Am 1. Krankheitstage war ein primärer Leistenbubo vorhanden, am 6. Tage kam ein sekundärer Halshubo hinzu, am 7. entstand ein Karbunkel in der Kreuz­beingegend, am 8. fand man einen Belag auf den Tonsillen (wahrscheinlich der Eintritt einer Mischinfektion). Einmal, am 4. Krankheitstage, waren Pestbazillen im Blute nach­gewiesen worden.

Die Kurve ist wegen der starken Remissionen für Pest typisch. Die Morgen­temperaturen sinken auf 37,8 (ja bis auf 37,0 am 7. und am letzten Tage), und erheben sich dann wieder bis 40,0 und 40,8°.

Der Tod trat ein, nachdem die Fieberkurve schon seit 2 Tagen vorher begonnen hatte, ahzusinken. Die Herzschwäche kam schon am Tage vorher in einem Ansteigen der Pulskurve zum Ausdrucke. Zur gleichen Zeit, und wahrscheinlich auch im ursäch­lichen Zusammenhänge mit dem Auftreten der Sekundärinfektion.

Fig. 2. Die Krankheit hatte plötzlich, in der unmittelbar vorangegangenen Xacht mit Schüttelfrost begonnen, es entwickelte sich ein primärer Bubo der rechten Leiste. Die Krankheit verläuft sehr akut, die Herzschwäche nimmt rasch zu, der Kranke stirbt nach weniger als 48 Stunden. Der Tod tritt im Temperaturabfalle bei gleichzeitigem Ansteigen der Pulsfrequenz ein.

Eig. 3. Es besteht ein primärer Bubo in der linken Leiste, die gleichseitigen iliakalen Drüsen sind ebenfalls geschwollen und ein sekundärer Bubo in der rechten Achselhöhle. Akuter Verlauf, die Kurve erscheint wie zusammengeschoben.

Fig. 4. Primäre Pestpneumonie, keine klinisch nachweisbaren Bubonen. Die Fieberkurve zeigt keine wesentlichen Unterschiede gegen die bei Bubonenfällen beobachtete. Die Respirationsfrequenz stieg bis 70 in der Minute.

Bubonen.

Zeit des Auftretens.

Die Lokalisation des Pestbazillus in einer Lymphdrüsengruppe, die der In­fektionsstelle naheliegt, also die Entstehung des primären Bubo, geht den ersten Krankheitssymptomen voraus oder fällt mit ihnen zusammen. Aber nur in einer kleinen Anzahl von Fällen wird der Kranke durch spontanen Schmerz in der

b H. F. Müller, a. a. O. S. 29, 30, 82 und 133.