H a 1 s b u b o n e n.
Die Halsbubonen können, wie alle anderen Bubonen, primären oder sekundären Ursprung haben. Die primären zeichnen sich fast immer durch eine ganz besondere Größe aus, die von den sekundären nur gelegentlich, wenn gleichzeitig Exulceration der Tonsillen besteht, erreicht wird.
Der primäre Halsbubo geht in der Kegel von den Drüsen des Mundbodens oder des Kieferwinkels aus. Die im Beginne noch abgrenzbaren einzelnen Lymphdrüsen bilden miteinander und dann auch mit der Parotis einen Tumor, die Umgebung schwillt an und ist ödematös durchtränkt, die Geschwulst nimmt die ganze Hals- und Kopfseite ein und reicht oft bis über die Mittellinie, nach unten bis zur Clavicula.
Die ödematösen Augenlider können nicht mehr geöffnet werden, das unförmlich geschwollene Ohr ist nach oben verdrängt, der äußere Gehörgang geknickt, die Trachea wird zur Seite geschoben und ebenso wie der Ösophagus komprimiert. Die glänzende, gerötete, äußerst schmerzhafte Hautoberfläche bedeckt sich mit ödemgefüllten Blasen, die mit Blut gemischte Flüssigkeit bricht durch; durch die entstandenen Hautöffnungen kann auch leicht Erisypel eindringen. Der Tumor bewirkt häufig Kieferklemme.
Während die Allgemeinerscheinungen — Fieber, Herzschwäche, Delirien — bei den anderen Bubonen über die lokale Schwellung und Schmerzhaftigkeit überwiegen, wird das klinische Bild der Halsbubonen ganz von den lokalen Veränderungen beherrscht, vor allem von der durch Kompression der Trachea bedingten Atmungsbehinderung. Anfangs überwiegt noch der Schmerz. Die Kranken balanzieren den Kopf vorsichtig, um durch Bewegungen den Schmerz nicht zu vergrößern. Im folgenden Stadium aber schwindet hinter der Atemnot jede andere Rücksicht, der Kopf wird zurückgeworfen, der Mund ist aufgerissen, an der Arbeit der Hilfsmuskel am Halse sieht man das angestrengte Ringen nach Atem.
Das Bewußtsein kann bis zum Schlüsse erhalten bleiben, oder es treten lärmende Delirien ein. Die Kranken werfen sich ruhelos hin und her, zwischen den mühsamen Atemzügen stoßen sie Worte und Rufe hervor, Rachen und Mund füllen sich mit blutig schleimiger Flüssigkeit, Worte und Atmen bilden ein ununterscheidbares Gurgeln, bis der Erstickungstod die namenlosen Qualen beendet.
Gegen das Ende zeigt der Puls exquisite Paradoxie. — Primäre Halsbubonen scheinen in der Regel zum Tode zu führen, der Verlauf ist rasch, in höchstens zwei Tagen abgeschlossen.
Sekundäre Bubonen.
In der voranstehenden Beschreibung der inguinalen, axillaren und cervikalen Bubonen wurden hauptsächlich die Verhältnisse dieser Bubonen berücksichtigt, wenn sie „primäre“ sind. Treten Lymplulrüsenschwellungen in den genannten Regionen sekundär auf, so sind die Erscheinungen, namentlich die Veränderungen in der Umgebung, viel geringer, aber nicht wesentlich verschieden.
Daß die poplitealen und kubitalen Bubonen nur sekundär aufzutreten pflegen, wurde schon hervorgehoben. Am häutigsten kommen aber sekundäre Bubonen, ebenso wie die primären, in der Leisten-, Achsel- und Halsgegend vor. Die Örtlichkeit des schon bestehenden primären Bubo hat keinen Einfluß auf die Lokalisation des sekundären : es kann bei einem primären rechtsseitigen Leistenbubo ein sekundärer linksseitiger Achselbubo entstehen.
Die aus den pathologisch-anatomischen Untersuchungen sich ergebende Ätiologie der sekundären Bubonen wird durch die Beobachtungen über den klinischen Verlauf der Pest gestützt; es sei daher wiederholt: die sekundären Bubonen sind echte