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Dr. Rudolf Püch,
Bubonen der Leisten- und Schenkelgegend.
Es sind entweder vorwiegend die oberflächlicher gelegenen inguinalen Lymph- drüsen unmittelbar unter dem PouPART'schen Band angeschwollen, oder treten mehr die tieferen, im Schenkeldreieck gelegenen „femoralen“ Drüsen hervor. Nie aber ist bloß die eine der beiden Drüsengruppen beteiligt, so daß eine scharfe Einteilung in inguinale und femorale Bubonen nicht berechtigt und auch nicht durchführbar ist. Die Schmerzhaftigkeit der Bubonen der Leistengegend ist sehr wechselnd, nicht immer im Zusammenhänge mit der Größe des Tumors. Bei zunehmendem Haut- ödem und bei Beteiligung der iliakalen Drüsen erfährt der ganze Tumor durch das PouPAirr’sclie Band eine scharfe Einschnürung in eine größere unterhall) und eine kleinere oberhalb desselben liegende Geschwulst. Das Odem der Haut und der Eingebung in der Tiefe reicht bisweilen bis zum Knie nach unten, bis zum Nabel nach oben und kann bis über die -Mittellinie hinausgehen. Skrotum und l’enis oder Labia majora sind häutig ödematös. Auch bei mächtiger Schwellung ist eine direkte Kompression der Gefäße und Nerven des Beines und deren Konsequenzen selten. P’ast regelmäßig ist eine Schwellung der inguinalen Drüsen der anderen Seite (Infektion per contignitatem, primäre Bubonen zweiter Ordnung).
Die im unmittelbaren Zusammenhänge mit dem primären Leistenbubo häufig mitaffizierten iliakalen und lumbalen Drüsengruppen — ebenfalls als primäre Bubonen zweiter Ordnung aufzufassen — können bei starker Anschwellung durch die Bauchdecken durchgetastet werden. Sie können peritoneale Beiz- erscheinuugen zur Folge haben, können aber schließlich vollständig zur Desorption kommen.
Bubonen der Kniekehle.
Selten werden die Lymphdrüsen dieser Gegend deutlich vergrößert angetroffeu, trotzdem an Fuß und Wade häutig die Eingangspforte liegen mag. Die Infektion gelangt den Hauptiymphwegen folgend in der lliakalgegend zur Lokalisation, die poplitealen Drüsen werden eventuell sekundär infiziert.
Bubonen der Achselhöhle.
Es sind meist vorwiegend und zunächst die eigentlichen axillaren, seltener die pektoralen Lymphdrüsen geschwellt. Im unmittelbaren Zusammenhänge damit kommt es oft zu einer Schwellung der infra- und supraklavikulären, selbst der cervikalen Lymphdrüsen, die dann neben dem primären axillaren Bubo die entsprechenden primären Bubonen zweiter Ordnung bilden.
Die Größe des primären axillaren Bubo kann höchst verschieden sein, bloß taubeneigroß, oder so ausgedehnt, daß die Achselhöhle ausgefüllt oder gar vorgewölbt wird. Dementsprechend können auch die Veränderungen in der Eingebung sein. Der Arm schwillt in manchen Fällen mit an, die infraklavikulare und die MomtEXiiEiM'sche Grube, auch die supraklavikuläre Grube verstreichen, die Interkostalräume sind ausgeglichen. Das ödem reicht über den vorderen Band des Pectoralis. Auf dem lockeren, ödematös durchtränkten Bindegewebe der Achselhöhle aufliegend erzittert die ödematüse Haut bei Berührung wie eine Gallerte. Infolge des Druckes auf die Nerven kann nach Desorption des Bubo eine Armlähmung Zurückbleiben.
B u b onen de r C u b i t a.
Die Schwellungen der kubitalen Drüsen sind nie bedeutend und kommen immer gleichzeitig mit axillaren Bubonen vor. Ihre Entwicklung nach einem primären axillaren Bubo konnte wiederholt beobachtet werden; sie entstehen wohl stets sekundär.