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Bd. 2 (1905)
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Die Pest.

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befallenen Drüsengruppe darauf aufmerksam gemacht, In der Regel wird der Bubo erst bei einer gewissen Größe bemerkbar, nachdem das Fieber und die anderen All­gemeinerscheinungen schon begonnen haben. Meist erst dann fühlt der Kranke, und zwar gewöhnlich gelegentlich, bei einem zufällig ausgeübten Drucke oder einer Be­wegung Schmerz in der geschwollenen Drüsengruppe und wird so auf den Bubo aufmerksam.

Der primäre Bubo hat in der Regel den Höhepunkt seiner Entwicklung noch nicht erreicht, und es treten schon sekundäre, metastatische Lymphdrüsenschwel- lungen in anderen Drüsengruppen auf trotzdem ist das Bild gleichmäßig großer, multipler Drüsenschwellungen für die Pest ganz atypisch, sondern in der Regel tritt der primäre Bubo durch die Schwere seiner Erscheinungen wesentlich vor den sekundären Bubonen hervor.

Entwicklung der Bubonen im allgemeinen.

Nehmen die einzelnen geschwollenen Drüsen der erkrankten Lymphdrüsen- gruppe an Größe zu, so lassen sich ihre Grenzen nicht mehr abtasten, schließlich bilden sie ein einziges Paket, das später auch ohne deutliche Grenzen in die Um­gebung übergeht.

Die Haut über dem Bubo verliert ihre Weichheit, wird starr, schwer faltbar und abhebbar. Später ist die ödematös geschwollene Haut ganz glatt und glänzend, düster gerötet und fühlt sich heiß an.

Das Odem, das von dom Bubo ausgehend nicht nur die Haut, sondern die ganze Umgebung erfüllt, kann sich weit ausdehnen, ja eine Extremität, die Brust­höhle, die halbe Hals- und Kopfseite einnehmen. Die ganze Region erzittert bei Berührung wie Gallerte. Bubo, Haut und angrenzendes Odem bilden einen Junior.

Oberhalb der Drüsen sieht man häufig Hautblutungen, durch das Ödem werden Epidermisbläschen herausgepreßt, auch Karbunkel können sekundär auf der Haut über dem Bubo entstehen.

Der Anfang der Rückbildung der Bubonen zeigt sich zunächst durch ein Weicherwerden der Drüsengruppe an. Die Konsistenz wird weich-elastisch, wirk­liche Fluktuation ist vorderhand noch nicht zu fühlen. Zur selben Zeit fängt auch das Ödem der Haut und der Umgebung an abzunehmen. Es sind zwei Wege der Rückbildung möglich: Resorption oder Vereiterung mit Aufbruch. Auch sehr große Bubonen mit schweren Veränderungen der Umgebung können vollständig aufgesaugt werden. Dem Aufbruche des Bubo geht ein Stadium voraus, in dem die Fluktuation deutlich ist. Die Vereiterung der Bubonen muß nicht immer von Fieber begleitet sein. Anderseits kommt es auch vor, daß das Fieber nach der Incision der Bubonen abfällt.

Lokalisation.

Der häufigste Sitz des primären Bubo ist die Leisten- und Schenkelregion, dann folgen die axillaren, schließlich die cervikalen Bubonen.

Nach einer Statistik von Rüssel aus der Pest von Aleppo in den Jahren 17G01702 die sich auf 2700 Fälle erslreckt, waren in 98% aller Fälle Bubonen nachweisbar, und diese verteilten sich folgendermaßen:

Leistenbubonen 09,7 °o

Achselbubonen 21,5 %

Cervikalbubonen 8,S °;o.

Nicht wesentlich verschieden sind die Verhältniszahlen über die Verteilung der Bubonen aus der gegenwärtigen indischen Epidemie.

Das klinische Bild des primären Pestbubo verläuft verschieden, je nach seinem Sitze, da durch diesen die Art der Komplikationen bestimmt wird.