398
Dr. Rudolf Poch.
S p u t u m.
(Tafel XVI Fig. 2.1
Im Sputum des Pestpneumonikcrs finden sich gewöhnlich massenhaft Pestbazillen, die meist schon auf dem Deckglas nachweisbar sind. Man sieht hauptsächlich bläschenförmige Formen, einzeln oder als Piplobazillen angeordnet, Insweilen auch als „Ivetten“. Große unregelmäßige Formen kommen auch vor. Wenn man auch die Pestbazillen im Deckglaspräparat gesehen hat, so kann die Kultur doch mißlingen, da andere im Sputum vorhandene Bazillen leicht überwuchern. Es ist der Tierversuch — durch Einreiben — vorzuziehen.
Eicht nur bei der primären Pestpneumonie, auch bei den sekundären (metastatischen) Pneumonien findet- man Pestbazillen im Sputum, ferner bei Lungenödem, bei Ulcerationen der Tonsillen. Infolgedessen können auch leichte Fälle mit pestiger Infiltration des adenoiden Gewebes im Schlund, die ja sehr häufig ist, Pestbazillen im Sputum haben.
U rin.
Pestbazillen wurden im Urin wiederholt in der Leiche und auch beim Lebenden nachgewiesen. Grundbedingen zum Gelingen der Untersuchung ist, daß der Urin steril aufgefangen wird, da sonst die anderen Bakterien überwiegen. Neben der Kultur ist der Tierversuch zu empfehlen. Wie die Befunde an der Leiche zeigen, ist das Auftreten der Pestbazillen im Urin nicht von Nierenveräuderungen abhängig. Wenn die Allgemeininfektion nicht eingetreten ist, sind keine Pestbazillen zu erwarten. Bei leichten Fällen sowie bei Rekonvaleszenten fällt die Untersuchung negativ aus.
F ä c e s.
Die technischen Schwierigkeiten sind hier ebenfalls wegen der Gefahr des Uberwuelierns anderer Bakterien groß. Es empfiehlt sich der Tierversuch durch Einreibung in die Haut, da diese Methode geradezu elektiv für den Pestbazillus ist (s. unten). Im Zusammenhänge mit den Darmblutungen und Geschwüren der PEYEii'sehen Plaques ist das Auftreten von Pestbazillen im Stuhl häufig zu erwarten.
Tierversuche.
Meerschweinchen und Ratten sind die für die Pest empfänglichsten Tiere.
Bei M eerscli wei n che n kann man durch intraperitoneale Injektionen eine akute hämorrhagische Pestseptikämie erzeugen, der Tod kann dabei schon vor 24 Stunden ein- treten. Bei Infektionen mit nicht hochvirulenten Bazillen, wo der Tod erst nach 5—6 Tagen erfolgt, findet man pyämische Herde in Milz, Leber und Lunge. Bei Verwendung von ganz schwach virulentem Materiale zur Infektion, kommt es zu einer chronischen, wochen- bis monatelangen Erkrankung. Bei der Sektion findet man tumorartige Gebilde an der Leber und Milzoberfläche und am Netz. Epidemiologisch wichtig ist die Tatsache, daß sich auch in solchen langdauernden Fällen noch virulente Pestbazillen naclnveisen ließen. Bei subkutaner Infektion kommt es im Lvmphgebiete der Injektionsstelle zur Entwicklung eines Bubo, der dem primären Bubo der menschlichen Beulenpest ganz analog ist. Albrecht und Ghon hatten auch Erfolg bei kutaner Infektion, indem sie pestbazillenhaltiges Material auf der unverletzten, auch unrasierten Haut verrieben. Es entwickelte sich ein Bubo, ebenso wie bei der subkutanen Injektion, im Lymphgefäßbezirke der infizierten Stelle. Dieses Verfahren ist von großer Wichtigkeit für die Diagnose des Pestbazillus, da er auf die Weise aus einem Bakteriengemisch gewissermaßen „herausgezüchtet“ werden kann, während er sonst in der Kultur von den anderen Bakterien überwuchert werden würde. — Infektionsversuche per os, durch die Nasen- schleimhant, durch die Konjunktiven erzeugen einen primären Halsbubo. Nur w T enn