Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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Dr. Rudolf Pöch.

wurden acht Pestepidemien auf dem Hochplateau Assir in Arabien bekannt. Ebenso gab es von 18G7 bis 1891/92 wiederholt spontane Festen in Irak-Arabi, dem alten Babylonien.

Die früheren Pestepidemien Indiens nahmen ihren Ausgang von den Hoch­ländern Gharwal und Kumaon in den Himalayas, westlich von Nepal gelegen. Die Ortschaften, die von der Krankheit heimgesucht werden, liegen oft ziemlich abgeschlossen von allem menschlichen Verkehre. Dem Ausbruche der Pest geht eine Rattenseuche voran, und man muß an die Möglichkeit denken, daß diese Tiere oder vielleicht auch andere Nagetiere, die mit den Ratten in Berührung kommen, die Krankheit in der Zwischenzeit in chronischer Form beherbergen und so zur Erhaltung derselben beitragen.

Auch in dem östlichen Teile der Kette der Himalayas und seiner Ausläufer muß es noch solche endemische Pestherde geben; denn die Pestepidemie von Yiin- nan. die seit ungefähr 1853 bekannt wurde, weist in ihrem Ursprünge mit Be­stimmtheit auf diese Länder (Rociier).

Ätiologie lind Vorkommen.

Bakteriologie. 0 M o r p h o 1 o g i e.

Die Pest wird in allen ihren Formen, beim Menschen sowohl wie bei den empfänglichen Tieren, immer durch ein und dasselbe spezifische Bakterium hervor­gerufen, durch den von Yersix im Jahre 1894 in Hongkong entdeckten Bacillus pestis.

Die Form des Pestbazillus im infizierten menschlichen oder tierischen Organismus.

Im Deckglaspräparat aus frischen Organteilen von Pestleichen oder aus den Se- und Exkreten von Pestkranken zeigt der Pestbazillus keine reine Stäbchenform, sondern es ist für ihn eine mehr ovale Form typisch: die beiden Enden sind etwas abgerundet, die Seiten leicht konvex. Im gefärbten Trockenpräparat beträgt seine Länge 1,51,75 «, die Breite 0,50,7 / j .

Diese ovale Form ist zu finden bei den akuten pathologischen Veränderungen der Infektion, im primären Bubo ebenso wie im Blute.

Der Bazillus färbt sich meist bipolar, oft bleibt das Mittelstück vollständig ungefärbt.

Außer kurzen, mehr kokkenförmigen Bazillen und solchen, welche die reine Stäbchenform zeigen, gibt es auch Wäschen- oder ringförmige Gebilde, die im all­gemeinen den Farbstoff nur äußerst schwach annehmen, oft viel größer, wie ^auf­gebläht sind. Sie finden sich dort, wo der Prozeß der Infektion schon älter ist, z. B. in entwickelten Bubonen. Sie sind gewiß nicht durchwegs als Degenerations­formen aufzufassen, sondern großenteils noch lebens- und infektionsfähig.

Die Pestbazillen liegen entweder einzeln oder als Diplobazillen, bisweilen auch inKetten. Den Gewebszellen gegenüber bleiben sie meist extracellulär, im Gewebe kommt Haufenbildung nicht selten vor.

') Die folgende Darstellung der Bakteriologie, Anatomie und Pathologie der Pest basiert hauptsächlich auf den Beobachtungen der österreichischen Pestexpedition in Bombay (1897), welcher der Verfasser als Hilfsarzt angehört hatte. Die Erfahrungen anderer, namentlich der gleichzeitig in Bombay anwesenden deutschen Pestkommission, ferner die Beobachtungen in Alexandrien und Oporto sowie spätere Laboratoriumsarbeiten sind überall berücksichtigt.