Toxizität.
Durch Filtrate aus Bouillonkulturen kann man Ratten töten. Ist der Tod protrahiert, so kann man in der Leber nekrotische Herde finden, bei Meerschweinchen kann man Zustände erzielen, die ganz an den Pestmarasmus des Menschen erinnern (Albrecht und Cthon).
Marke konnte durch Injektion von Pestgiften Mäuse giftfest machen, die Empfänglichkeit gegen Injektion von Bakterien war jedoch dadurch nicht geändert worden.
Bakteriologie des Blutes, des Buboneneiters und der Ausscheidungen von
Pestkranken.
(Hierzu Tafel XVI.)
Blut.
(Tafel XVI Fig. 1.)
Der Pestbazillus im Blute ist vollständig mit dem im Gewebe vorkommenden identisch. Er erscheint entweder einzeln oder als Diplobazillus. Die ring- und bläschenförmigen Gestalten werden im Blute häufig gefunden, die stäbchenartigen seltener. Meist färben sie sich bipolar. Sie liegen immer extracellulär.
Das Erscheinen der Pestbazillen im Blute bezeichnet den Zeitpunkt der All gemeininfektion. Es können die Pestbazillen aber wieder aus dem Blute verschwinden, wenn die Allgemeininfektion überwunden ist. Werden aber Pestbazillen dauernd und in steigender Menge im Blute gefunden, so ist dies ein Zeichen, daß der Überschwemmung des Körpers mit Pestbazillen kein Widerstand mehr geleistet wird.
Kleinere Mengen von Pestbazillen im Blute können aus einem Blutstropfen, der steril entnommen auf Agar gebracht wird, kulturell nachgewiesen werden. Sind die Pestbazillen aber schon mit dem Mikroskop leicht nachweisbar, so ist das ein Zeichen einer Überschwemmung des Blutes mit Pestbazillen. Hier ist die Prognose immer sehr schlecht.
Ist der kulturelle Nachweis der Pestbazillen im Blute gelungen, so ist dies ein bedenkliches Zeichen; verschwinden sie aber bald wieder, so kann noch Besserung eintreten. Gelingt der Nachweis wiederholt, ist die Anwesenheit der Pestbazillen im Blute also dauernd, so ist die Prognose infaust. Gegen Ende sind in den meisten Fällen Pestbazillen im Blute zu finden. Bei Mischinfektion finden sich die Erreger derselben (hier kommen meist Streptokokken in Betracht), neben dem Pestbazillus, oder, wenn sie ihn bereits überwuchert haben, auch allein. In leichten Fällen, sowie bei Rekonvaleszenten wurde der Pestbazillus im Blute nie gefunden.
B u b o n e n e i t e r.
Hier kommt die ring- und bläschenförmige "Wachstumsform am häufigsten vor. Das .Mißlingen der Kultur deutet nicht immer darauf hin, daß die Pestbazillen fehlen, da sie durch andere Erreger (Mischinfektionen durch Strepto- und Diplokokken) leicht überwuchert werden können. In der Regel sind Pestbazillen in älterem Eiter selten; es wäre aber irrig, ilm überhaupt für nicht mehr infektiös anzusehen, da Albrecht und Ghon in vereiterten Bubonen in zwei Fällen am 19. und 20. Krankheitstage, einmal sogar noch am 52. (!) Krankheitstage lebensfähige Pestbazillen nach weisen konnten.