Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1905)
Entstehung
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Dr. Hudoi.k Poch.

Termini t e c. h n i c i.

Orientalische Pest, oft gleichbedeutend mit Beulenpest und im Gegensätze zur indischen Pest, mit vorwiegenden Pestpneumonien; Palipest, Pest in Pali (Ober- Indien) im Jahre 1838. höchstwahrscheinlich größtenteils Lungenpest; Pestis minor, Peste fruste, Epidemie mit durchwegs leichten Beulenpest-Erkrankungen, dasselbe nennt Lorinser : B eu 1 e n f i e b er; Pestis am hui ans, nach Sticker; Pestis siderans, der alten Autoren, bezeichnet eine rapid verlaufende Erkrankung; Schlundpest des Evagrius (6. Jahrh.), Pest mit Tonsillar-Ulcerationen (?); H autpest, der deutschen Pest­kommission, Pestfälle mit vorwiegender Karbunkelbildung; Darmpest, beim Menschen bisher nur von Wilji 1896 in Hongkong beschrieben; Plague pneumonia, nach Childe, Bombay ,1896, == primäre Pestpneumonie; Malignant polyadenitis, von Cantlie für Beulenpest gebraucht; Tarbaganenpest (oder Sarbaganenpest), Pest- epizootie einer Murmeltierart (Arctomys bobac) in Transbaikalien.

Geschichte und geographische Verbreitung.

Geschichte.

Die Pest ist eine uralte, seit unbekannten Zeiten unter den Völkern der alten Welt verbreitete Seuche. Wenn die ersten deutlichen Nachrichten über die Pest in den Mittelmeerländern erst aus dem Anfänge unserer Zeitrechnung stammen, so muß die Seuche im Orient doch früher bestanden haben, und die vielen, jetzt isolierten Pestherde in den Himalayas in Süd- und auch in Nordchina sind Zeichen einer weiten Verbreitung und damit wohl auch eines hohen Alters der Krankheit.

Die erste historisch sichergestellte Pest ist die des Oribasius am Ende des 2. oder Anfang des 3. Jahrhunderts nach Christus in Ägypten und Syrien, ferner die Pest des Justixiax im 0. Jahrhunderte, die von Unter-Ägypten zum ersten Male nach Europa drang.

Unter den europäischen Pesten des Mittelalters ist die bekannteste und furchtbarste derschwarze Tod im 14. Jahrhunderte, ln dieser Seuche überwog die Lungenpest; sie überzog ganz Europa und forderte nach Hecker's Schätzung 25 Millionen Opfer, d. i. etwa den vierten Teil der damaligen Bevölkerung Europas.

Seit dieser Zeit blieb die Pest durch Jahrhunderte in Europa endemisch. Mit der Zunahme der öffentlichen Hygiene begann sie abzunehmen. Zuerst verschwand sie aus England (1665). Im Laufe der folgenden hundert Jahre trat sie allmählich ganz nach dem Südosten Europas zurück, der dann noch für einige Zeit Pestherde beherbergte. 1878/79, nach dem russisch-türkischen Kriege, gab es eine vereinzelte Epidemie im Gouvernement Astrachan.

Mit dem Ausbruche der jetzt noch wütenden Pest in Bombay im Jahre 1896 beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Krankheit. Bis dahin galt die Pest als so gut wie vollständig erloschen, als eine Seuche der Vergangenheit. Erst durch den rasch zunehmenden Weltverkehr wurden entlegene Pestherde in Südchina aufgerührt und die Keime von da weiter verschleppt.

Die erste Zunahme der Pest in Südchina war schon durch die Wirren der großen Rebellion (1853Taiping - Aufstand) verursacht, 1872/73 gelangte sie nach der Hauptstadt Yün-nan, 1S94 wurde sie von Canton nach Hongkong ge­bracht und war hier an einer der großen Pforten des Weltverkehres angelangt; von da wurde sie im Jahre 1896 nach Bombay verschleppt und verbreitete sich immer entlang den Straßen des Verkehrs zunächst über einen großen Teil Indiens; auf dem Seewege wurde sie schon in viele große Häfen und nach allen Erdteilen ver-