Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
585
Einzelbild herunterladen
 

Das Schwarzwasserfieber.

585

Ziemann mußte in seinem schon erwähnten Falle von extremster Idiosynkrasie die Chinindosen sogar stets um ein halbes Milligramm steigern.

Sind im Blute des Schwarz wasserfieberkranken überhaupt keine Parasiten zu entdecken, wird man auf Grund der früheren Darlegungen überhaupt kein Chinin geben, und erst nach Be­endigung der Hämocytolyse mit einer vorsichtigen Chininge­wöhnungskur beginnen.

Wegen der Hämocytolyse auslösenden Wirkung des per os genommenen Chinins empfahl Kleine die Anwendung des Chinins imKIysma in steigernder Dosis, falls Chininindikation vorhanden war. Verf. sah davon keinen Vorteil.

Kohlbrügge empfahl zur Vermeidung der Hämocytolyse gerbsaures Chinin. Weitere Anwendung hat dasselbe nicht gefunden.

Ollwig und Kardamatis empfahlen als Ersatzmittel des Chinin das Methylen­blau. Ich habe nicht den geringsten Erfolg davon gesehen und kann wegen der den Appetit völlig verderbenden Wirkung nur dringend davon abraten, um so mehr, da Methylen­blau gelegentlich selber Hämocytolyse hervorrufen kann.

Behandlung der Scliwarzwasserfleheranurie.

Ist es trotz der erwähnten Behandlung zur Anurie gekommen, wird man wie oben weiter symptomatisch verfahren (Erhaltung der Herzkraft, reiche Zufuhr von Getränken, Schwitzen usw.).

Gerade bei Anurie werden hohe Darmeingießungen mit physiologischer Koch­salzlösung, ev. zweimal am Tage, sehr angenehm-empfunden. Der auf der großen Oberfläche des Darms sich niederschlagende Harnstoff wird dadurch entfernt.

Werden pro Tag wenigstens noch 100150 ccm Urin entleert, darf man die Hoffnung auf Genesung nie ganz aufgeben (vgl. Fälle A. Plehns).

Wegen der fast absolut infausten Prognose bei kompleter Anurie, die 24 Stunden dauerte, griff ich auf eine Anregung Werners zurück, durch Nephrotomie die Anurie operativ zu be­seitigen. Meines Wissens war das bisher noch nie geschehen.

Eine junge Lehrerin mit zweitem Schwarzwasserfieberrezidiv bekam komplete Anurie. Während der ersten 2 Tage ungemein heftige Nierenschmerzen. Am Abend des 3. Tages Operation bei befriedigendem Kräftezustande der Patientin. Lumbalschnitt am lateralen Rande des rechten M. sacrolumbal. Spaltung der Nierenkapsel und Ab­tragen derselben bis zum Hilus und Nephrotomie durch die Konvexität der Nieren. Operation gut iiberstanden. Es entleerten sich danach ca. 200 ccm trüben, gelbgrauen, sehr eiweißhaltigen Urins. In den folgenden Tagen wieder komplete Anurie. Exitus. Bei Sektion komplete Verstopfung der Harnkanälchen.

In einem 2. Falle, wo ich ebenfalls zur Nephrotomie schreiten wollte, kam es vor­zeitig zum Exitus durch Herzkollaps, und fand sich Hufeisenniere bei der Sektion, was immerhin nicht gerade zu weiteren operativen Versuchen ermunterte.

Als Indikation käme die Nephrotomie nach dem Bisherigen nur in Frage:

1. wenn die komplete Anurie nach 24 Stunden noch nicht beseitigt ist,

2. wenn der Kräftezustand und Puls gut ist,

3. wenn ausgesprocheneNierenkolik besteht, als Zeichen eines erhöhten, intrarenalen Druckes, der dringend zu beseitigen wäre.

Je mehr die intrarenale Hyperämie nachläßt, je mehr die