Das Schwarzwasserfieber.
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fieber niemals zur Hämoglobinurie, sehr selten zu Hämaturie. Auch ist das bei Gelbfieber häufige Blutbrechen bei Schwarz Wasserfieber sehr selten und niemals profus. Ferner tritt bei Gelbfieber der Ikterus erst am 2.—3. Krankheitstage auf, und kann der Puls sogar auf 40 in 1 Minute herabsinken. Schließlich läßt das Gelbfieber, welches eine ziemlich hochgradige Immunität hinterläßt, im Gegensatz zum Schwarzwasserfieber, stets das Vorhandensein von Blutparasiten vermissen. Auch fehlen Milz- und Leberschwellung. Weiteres vgl. den Abschnitt über Gelbfieber von Cariioll in Bd. II.
3. Morbus Weili, Icterus gravis, Phosphorvergiftung und Vergiftung durch Morcheln usw., akute gelbe Leberatrophie, dürften ebenfalls leicht von Schwarzwasserfieber zu trennen sein, schon durch Fehlen der Malariaparasiten und Mangel der für Schwarz wasserfieberausbruch nötigen Gelegenheitsursachen (Chiningaben usw.).
Prognose des Sehwarzwasserflebers.
Sie hängt ab von dem Zustande des Herzens, Beschaffenheit des Blutes (ob vorher anämisch), Regenerationsfähigkeit der hämopoetischen Organe und dem ev. Zustandekommen einer Nierenverstopfung. Ungünstig wird die Prognose, wenn es sich um Rezidive des Schwarzwasserfiebers bei Nephritis handelt. Auch ein Transport des Kranken nach dem Krankenhause wirkt nach A. Plehn ungünstig wegen dadurch begünstigten Zustandekommens von Anurie. Ferner sahen wir schon, daß, wenn der Urin teerfarbene Beschaffenheit gewinnt, es besonders leicht zu Anurie zu kommen scheint.
Ungünstiger wird die Prognose natürlich auch noch, wenn es sich um Komplikationen mit anderen Krankheiten wie z. B. mit Dysenterie, Ankylostomiasis usw. handelt.
Im allgemeinen scheinen diejenigen Fälle, wo es sich nicht um manifeste Malaria handelt, und wo Chinin den Anfall auslöste, quoad vitam eine etwas günstigere Prognose zu geben, ebenso die Fälle ohne Chininbehandlung. Jedenfalls hatten die meisten Autoren (außer Steudel, Mense, Dryepondt usw.) bei Chininbehandlung ungünstige Resultate, manchmal bis zu 80 °/ 0 Mortalität. Im übrigen sind die Mortalitätsziffern je nach den einzelnen Schwarzwasserfiebergegenden und je nach der Behandlungsart verschieden.
Bianchini sah am Kongo bei einem großen Materiale eine Mortalität von nicht weniger als 40 °/ 0 der Erkrankten. (Verlauf stets sehr schwer.) Mense hatte dort keinen Todesfall unter 22 Erkrankungen.
A. Plehn hatte ohne Chininbehandlung 10 %, mit Chininbehandlung 24,6 °/ 0 Mortalität.
Schellong verlor 3 von 7 Fällen, Macey 50%, Muratte und Michel, zitiert nach F. Plehn, 30—50 °/ 0 , ich selber 15 %.
Auch können nur größere Zahlenreihen brauchbare, vergleichende Übersichten geben.
Therapie des Scliwarzivasserfiehers.
Gerade diese stellt der Kunst des Tropenarztes die schwersten Aufgaben.
In bezug auf Details verweise ich auf das Kapitel ,,Therapie der Malaria“. Wir haben zunächst symptomatisch zu verfahren und
1. die Herzkraft zu erhalten und überhaupt den Kräftezustand des Patienten,
2. die Nierenverstopfung,