Das Schwarzwasserfieber.
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Wird es nicht gern genommen, gebe man es gekühlt. Der Durst der Kranken steigt dadurch meist rapide, und wird das Blutserum salzreicher, die Disposition zur Hiimocytolyse also verringert. Auch Matthew, Cameon und Blair empfehlen auf Grund des Umstandes, daß die Eingeborenen im Sudan regelmäßig Pottasche verzehien und Kali zum Aufbau der roten Blutkörper nötig ist, Kalisalze (und Sonnenlicht).
Die Diurese steigere man außerdem durch Verabreichen von Liqu. Kali acet.
Tinctur. Scillae aa. 10,0.200,0,
2 stündlich einen Eßlöffel.
Diurin fand ich meist unwirksam.
Außerdem gebe man bei jedem Nachlassen des Pulses sofort Tinct. Strophant. 3 mal täglich 10 Tropfen oder, bei momentaner Herzschwäche Digalen intramuskulär oder per os 15—20 Tropfen, um den arteriellen Druck auf die Nieren nicht sinken zu lassen und dort nicht eine Stagnation herbeizuführen. Bei Stuhlverhaltung gebe man hohe Einläufe mit warmer, abgekochter physiologischer Kochsalzlösung, die äußerst wohltuend wirken, außerdem zur Entlastung der Leber Calomel 0,3 g bzw. Apenta oder Karlsbader Salz oder nach Bertraxd Podophyllin.
Bei Atemnot infolge der Sauerstoff Verarmung des Blutes gebe man Sauerstoffi nhalationen nach dem Vorgänge von Kohlstock.
Jedes tropische Krankenhaus sollte die dazu nötigen Stahlzylinder mit koprimiertem Sauerstoff und Gummiballons mit Ansatzstück vorrätig halten, erhältlich durch die Kade’sche Apotheke, Berlin, Elisabethufer. Die Wirkung auf Puls und Allgemeinbefinden der anämischen Kranken ist oft eine frappante.
Betreffs der Entleerung der Blase bei Benommenen vgl. unter Malariatherapie. Nebenher geht die genaueste Kontrolle des Blutes (auch des Hämoglobingehalts) und des Urins, welche täglich zu untersuchen sind.
Der Aderlaß, den Rotschuh neben den zu erwähnenden Kochsalzinfusionen empfiehlt, dürfte wohl heute allgemein als irrationell verlassen sein.
Vor allem ist die fast ständige Anwesenheit des Arztes und die liebevollste Pflege nötig.
Während der akuten Hämocytolyse soll man nach Powel absehen von der Ernährung mit künstlichen Eiweißpräparaten, Fleischextrakten etc., um die t ber- lastung der Leber und Nieren durch stickstoffhaltige Substanzen nicht noch zu steigern.
Verhinderung der weiteren Hämocytolyse. Kochsalzinfusionen.
Auf Grund der günstigen Erfahrungen, die man mit Infusionen physiologischer Kochsalzlösungen bei Cholera erzielte, empfählen Ziejianx, Gouziex und Andere dieselben auch bei Hämocytolyse. Schon früher hatte Steudel mit den jetzt verlassenen Bluttransfusionen ausgezeichnete Erfolge erzielt. Nach unseren neuen Kenntnissen über die Isotonie müßte man dazu 0,9 °/o Kochsalzlösung für die Infusionen verwenden.
Gocjziex gibt 100% Heilungen an!
Man spritzt in schweren Fällen, entweder gleich im Beginn des Schwarzwasserfiebers, unter allen Umständen aber bei einer Verringerung der Harnmenge unter 600 ccm in 24 Stunden, 1000 ccm des künstlichen Serums ein. Man wählt als Einstichstelle die Fossae infraclaviculares und die Gegenden an der Außenseite der Oberschenkel und Unterschenkel. Länger als 2 Tage wird die sehr schmerzhafte Prozedur nicht ausgehalten. Andererseits fand ich sie in 6 Fällen von. ein getretener Nieren v er-