Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
235
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Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 235

ein buckelartiger Höcker aus der Oberfläche der Zelle liervor, der einen Teil des Kernes enthält und alsbald als kleines Plasmaklümpchen völlig abgeschnürt wird. Auch die Kernteilung, welche zur Bildung dieses, an die Richtungskörper der Metazoeneier erinnernden Gebildes führt, soll nach den vorliegenden Angaben ein­facher verlaufen wie die Reduktionsteilungen des Makrogametocytenkernes bei Haemo­proteus. Indessen bedarf diese Frage noch erneuter Untersuchung auf Grund der neuen Gesichtspunkte, welche die Aufdeckung der Lebensgeschichte von Haemo­proteus geliefert hat, und ähnliches gilt auch für die Details der Mikrogameten- bildung. Die Teilung des Mikrogametocytenkernes in acht Tochterkerne ist jeden­falls auch bei den Malariaparasiten bereits in der Blutbahn des Menschen vorbereitet und die gröberen Vorgänge (die das Pigment in wirbelnde Bewegung versetzenden Plasmaströmungen u. dgl.) bei der Mikrogametenbildung wie auch der Befruchtung und der Streckung der Kopula zum Ookineten sind bei Plasmodium durchaus die gleichen wie bei Haemoproteus. Auch bezüglich des fertigen Ookineten sind als anscheinend etwas abweichend nur die Kern Verhältnisse zu erwähnen. Der Ookinet von Plasmodium ist nämlich anfangs noch deutlich zweikernig: ein vorderer, etwas größerer und weniger dichter, daher auch nur heller färbbarer Kern ist leicht von einem ihm hinten meist dicht anliegenden kleineren und dichteren Kern zu unter­scheiden. Auch am lebenden Objekt sind, wie ich mich selbst überzeugen konnte, diese beiden Kerne oder Kernteile durch etwas verschiedenes Lichtbrechungsvermögen deutlich gekennzeichnet. Sie werden von Sciiaudixn als die noch nicht ver­schmolzenen Kerne von Makro- und Mikrogamet aufgefaßt. Mit Rücksicht jedoch auf die Tatsache, daß eine funktionelle Zweikernigkeit bei den Protozoen sich immer mehr als allgemeine Regel herauszustellen scheint, sowie mit Rücksicht darauf, daß diese funktionelle Zweikernigkeit bei dem so ähnlichen jungen Ookineten von Haemo­proteus in dem Verhalten von Hauptkern und Blepharoblast so deutlich hervortritt, sind erneute genaue Untersuchungen über die Kernverhältnisse bei der Befruchtung und Ookinetenbildung von Plasmodium wünschenswert, um festzustellen, ob hier nicht auch ein dem Blepharoblast von Haemoproteus vergleichbares Element eine Rolle spielt.

Verschieden von Haemoproteus ist danu aber vor allem das weitere Schicksal des Ookineten. Nicht nur unterbleibt die bei Haemoproteus zu beobachtende Ab­schnürung eines das hämatogene Pigment enthaltenden Restkörpers. Wichtiger noch für den weiteren Verlauf der Entwicklung ist der Unterschied, daß der Ookinet der Malariaparasiten nicht wie derjenige von Haemoproteus im Darmlumen bleibt, son­dern vielmehr in die Darmwanduug einwandert.

4. Einfluß physikalischer Reize auf die Reifung und Befruchtung.

Besonderes Interesse hat die Frage gefunden, welche physiologischen Reize die Reifung und Befruchtung der Geschlechtsindividuen bei den Malariaparasiten und verwandten Blutschmarotzern hervorrufen. Daß hierfür besondere Reize er­forderlich sind, geht ja schon allein aus der Tatsache hervor, daß che genannten Vorgänge sich nicht abspielen, so lange die Parasiten in der Blutbahn ihres Wirtes verbleiben, während sie doch nach dem Verlassen dieser Blutbahn unter gewissen Umständen innerhalb weniger Sekunden eintreten. Bei den Versuchen, eine Erklärung hierfür zu finden, hat sich gezeigt, daß vor allem Veränderung der Tem­peratur und Veränderung der Dichtigkeit des Blutes reizauslösend wirken können.

Namentlich Danilkwsky und Sciiaudinn glaubten der Abkühlung, welche das Blut beim Verlassen des Warmblüters erleidet, besondere Bedeutung zuschreiben zu dürfen. Grassi dagegen bestreitet diese Anschauung, indem er sich speziell auf