Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
233
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Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 233

Perniciosaparasit des Menschen mit der charakteristischen Halbmondform der Gametocyten.

Voneinander unterscheiden sich die beiderlei Arten von Gametocyten in ähn­licher Weise wie bei Haemoproteus (vgl. S. 149 f.), d. h. der Makrogametocyt ist durch ein sehr dichtes, stark mit Reservestoffen beladenes und daher besonders intensiv färbbares Protoplasma ausgezeichnet. Beim Mikrogametocyten ist umgekehrt das Protoplasma im Leben wie im gefärbten Präparat ganz besonders blaß, während sich der Kern durch besondere Größe auszeichnet.

Beim Perniciosaparasiten liegt der Kern anscheinend stets ungefähr in der Mitte des Halbmondes. Bei den rundlichen Gametocyten der anderen Plasmodien­arten läßt aber auch seine Lage Unterschiede erkennen. Beim ausgewachsenen Mikrogametocyten liegt er nämlich in der Regel annähernd zentral, beim Makro- gametocyten dagegen stets exzentrisch, der Oberfläche stark genähert (vgl. Taf. VIII Fig. 32).

Hinsichtlich weiterer Details über den Bau der Gametocyten kann ich wiederum auf das Kapitel Ätiologie in Zie.maxxs Bearbeitung der Malaria verweisen.

2. Schicksal der Gametocyten bei Verbleib in der Biutbahn.

Verschieden wie ihr Bau ist auch das weitere Schicksal der Gametocyten, nicht nur wenn sie im Darmkanal geeigneter Mücken zur Bildung der kopulations­fähigen Gameten gelangen, sondern auch bei dem der 31 ehrzahl von ihnen beschie- denen Verbleib in der Blutbahn ihres Zwischenwirtes.

Die 3Iikrogametocyten scheinen in der Blutbahn verhältnismäßig rasch zu­grunde zu gehen. Rüge fand häufig und besonders bei fast allen daraufhin unter­suchten Rezidiven die 3Iikrogametocyten viel spärlicher als die 3Iakrogametocyten. Waren Geschlechtsformen nur vereinzelt nachweisbar, so wurden die 3Iikrogameto- cyten sogar vollkommen vermißt. Genauer hat Schaudixx diese Verhältnisse studiert. In zwei Fällen konnte derselbe die allmähliche Abnahme der 3Iikro- gametocyten vom 4. bis G. Tage nach dem letzten Fieberanfall direkt feststellen und in allen Fällen, in welchen 3G Wochen nach dem letzten Fieberanfall über­haupt noch Parasiten im Blute nachweisbar waren, handelte es sich ausschließlich um 3rakrogametocyten. 3Iikrogametocyten fehlten alsdann ebenso vollständig wie Schizonten.

Diese Angaben beziehen sich alleidings durchweg auf den Tertianparasiten, haben aber augenscheinlich allgemeine Gültigkeit für alle Plasmodien. Auch ist, wie Schaudixx betont, die mangelnde Lebensfähigkeit der 3Iikrogametocyten physiologisch leicht verständlich. 3Iit ihrem großen Kern und mit dem völligen 3Iangel von Reservestoffen im Protoplasma lassen sie eine so hohe Spezialisierung ihres Baues erkennen, die zugleich so deutlich auf den Beruf der 3Iikrogameten- bildung hinweist, daß sie sich offenbar in einem sehr labilen Zustande befinden, der ein längeres Verharren nicht gestattet und daher zum Untergange dieser Formen führen muß, wenn die die MikiOgametenbildung veranlassenden Reize (vgl. unten S. 235 f.) ausbleiben. Uber Reduktionsvorgänge im 3Iikrogametocyten nach Analogie der bei Haemoproteus beobachteten ist freilich bisher nichts bekannt.

Ganz anders verhalten sich die Makrogametocyten, deren Spezialisierung vor allem in ihrem dichten, offenbar reich mit Reservestoffen beladenen Protoplasma besteht und ihnen daher gerade eine größere 3Viderstandsfähigkeit verleiht, sie zu einem längeren Leben auch unter ungünstigeren Umständen befähigt erscheinen läßt. In der Tat ist ihre Langlebigkeit offenbar eine sehr große. Sie kann sich auf eine ganze Reihe von 31onaten erstrecken, wie dies durch die nach langen Intervallen auftretenden Rezidive bewiesen wird. Denn diese Rezidive beruhen, wie bereits Grassi vermutet und Schaudixx sicher bewiesen hat, auf Verände-