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Bd. 3 (1906)
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SiHüß»

190 Dr. Max Lühe.

hat Siegel aber außer den GuARNiERischen Körperchen, deren Parasitennatur noch keineswegs sicher bewiesen ist, vielmehr sehr ernstlich angefochten wird, keinerlei sonst bekannte Gebilde zum Vergleich herangezogen, um seine Auffassung von dem Bau und der systematischen Stellung des anscheinenden Luesparasiten zu stützen.

Mich erinnert die Schilderung dieser SiEGELschen Syphilisparasiten an die Angaben gewisser Autoren (Sarnow, v. Jacksch u. a.) über eigentümliche bewegliche kleine Körnchen, welche im Blute von Recurrenskranken gefunden und eine Zeitlang als Frühformen der Spirochaeta recurrentis aufgefaßt wurden. Diese Auffassung mußte aber fallen gelassen werden, weil dieselben Gebilde auch bei allen möglichen anderen Er­krankungen (außer bei zahlreichen verschiedenartigen Infektionskrankheiten unter anderem noch bei perniciöser Anämie) und schießlich sogar im Blute von Gesunden gefunden wurden. Ihr Ursprung ist allerdings noch nicht ganz klar. Um den SiEGELschen Lues­parasiten von ihnen zu unterscheiden, käme aber alles auf den Nachweis an, daß derselbe für Lues spezifisch sei. Ist dieser Nachweis erbracht?

Schon die Häufigkeit der angeblichen Flagellaten im Blute spricht nicht gerade zugunsten der Auffassung von Siegel. Dieser erklärt zwar, der Erreger der Syphilis müsse wenigstens auf dem Höhepunkte der Erkrankung in jedem Blutstropfen nach­weisbar sein. Erfahrungsgemäß ist aber die Ansteckungsfähigkeit des Blutes bei Syphilis keineswegs so groß. Auch Hübner hat noch kürzlich das Blut alsnur in größeren Mengen infektionsfähig bezeichnet.

Von größerer Bedeutung sind die Impfversuche Siegels. Diese sind aber leider angestellt mit einem Material, welches nach Analogie der Vaccinelymphe mit Glycerin angerieben wurde. Nun ist bekanntlich das Syphilisvirus außerordentlich wenig wider­standsfähig. Austrocknung von auch nur vorübergehender Dauer kann es absolut nicht vertragen, anscheinend sogar nicht einmal die Abkühlung in der Leiche, da von Infektionen pathologischer Anatomen (nach Analogie des Leichentuberkels) trotz der Häufigkeit der Syphilis kaum etwas bekannt ist. Und ein so wenig widerstandsfähiger Parasit soll Glycerineinwirkung vertragen können? Das ist doch wohl zunächst äußerst unwahrscheinlich. Siegel hat ja nun zwar auf dem angegebenen Wege durch Impfung bei Affen, Meerschweinchen und Kaninchen Krankheitserscheinungen hervorrufen können. Hat es sich aber dabei wirklich um Syphilis gehandelt? Für die Meerschweinchen und Kaninchen läßt sich dies wenigstens nicht sicher beweisen, da deren Empfänglichkeit für Syphilis durch Impfung mit einwandsfreiem irischem Material dargetan werden müßte. Das klinische Bild der Affensyphilis ist dagegen bereitsdurch viele hundert Experimente iestgelegt (Roscher) und läßt deshalb einen Vergleich zu. Da ist nun aber höchst auf- iallend, daß bei allen mit einwandfreiem frischem Material vorgenommenen Impfungen von niederen Affen Metschnikoff und Roux, Finger und Landsteiner, ebenso wie R. Kraus das übereinstimmende Resultat erzielten, daß nur Primäraffekte aber nie Sekundärerscheinungen auftraten, während Siegel bei seinen Affen papulöse Sekundär­erscheinungen beobachtete. Diese Verschiedenheit der Impfresultate ist so auffallend, daß ich sie mir nur durch das verschiedene, bei der Impfung angewandte Material er­klären kann. Siegel könnte seinen Affen anstatt der Syphilis eine andere, noch der Aufklärung bedürftige Erkrankung eingeimpft haben. Jedenfalls ist der Beweis, daß sein Glyceringemisch noch lebensfähige Syphilisparasiten enthielt, bisher nicht erbracht und damit fehlt erst recht der Beweis für die parasitäre Natur des sogenannten Cytorhyctes litis.

2. Treponema pertenuis (Castellani).

Syn.: Spirochaete pertenuis Castellani (Juni 1905); Spirochacte pallidula Castel­lani (Novbr. 1905).

Mit Rücksicht auf die Analogie, welche die Frambösie mit der Syphilis be­sitzt, lag es nahe, nach der Entdeckung der Syphilisspirochäten auch bei Frambösie nach Spirochäten zu suchen und solche sind denn auch in der Tat von Castellani auf Ceylon und von Wellman in Angola gefunden worden. Die Spirochäten sind bisher von der Spir. pallida nicht zu unterscheiden und müssen deshalb gleichfalls der Gattung Treponema eingereiht werden. Indessen ist Castellani der Über-