fähigkeit die charakteristischen Merkmale der ausgebildeten weiblichen Formen ein- gebiißt werden.
Schattdinn hat die hier als Rückbildung der weiblichen Formen bezeichneten Entwicklungsvorgänge, welche sich am leichtesten beobachten lassen, wenn man eine Mücke nach längerer Hungerperiode wieder füttert und durch Wärme für eine rege Verdauung des aufgenommenen Blutes sorgt, als Parthenogenese bezeichnet. Ich halte es für richtiger, den in dieser Benennung liegenden Vergleich mit der parthenogenetischen Fortpflanzung der mehrzelligen Tiere zu vermeiden, da eine nähere Durchführung eines solchen Vergleiches mehr Verschiedenheiten als Ähnlichkeiten ergeben würde. Auch kann ich mich hierbei auf Schaudinn selbst berufen, der bei der Schilderung einer ähnlichen Rückbildung der Makrogametocyten des menschlichen Tertianparasiten sich noch entschieden gegen die Übertragung der Bezeichnung Parthenogenese von den Mehrzelligen auf die Einzelligen ausgesprochen hat. Dabei handelte es sich damals nur um die Vermehrung der unbefruchteten Makrogametocyten der Malariaparasiten, da die ihr vorausgegangenen Veränderungen am Kernapparat noch gar nicht beachtet waren. Diese Vermehrung aber schien mit der parthenogenetischen Fortpflanzung der Mehrzelligen noch wesentlich größere Ähnlichkeit zu haben, als jenen Veränderungen am Kernapparat der weiblichen Formen von Haemoproteus noctuae zugebilligt werden kann, die deren Umwandlung zu vermehrungsfähigen Formen bedingen und die am ehesten als eine Art Selbstbefruchtung aufzufassen sind.
Das durch die geschilderte Rückbildung der weiblichen Formen entstandene Stadium erinnert nicht nur in seinem Bau an den Ookineten. Es gleicht diesem auch darin, daß es aus sich ganz wie der Ookinet wieder die indifferenten, männlichen und weiblichen Formen hervorgehen läßt. Es kann auf diese Weise wieder wie unmittelbar nach der Infektion der Mücke zu einer Überschwemmung des Darmkanales derselben mit Parasiten kommen, so daß man vom pathologischen Standpunkt aus von einem Rezidiv der Erkrankung der Mücke sprechen kann.
Daß weibliche Trypanosomenformen auch aus den Reihen der indifferenten Formen heraus neu gebildet werden können, ist bereits bei Besprechung dieser erwähnt worden.
Reifungserscheinungen, die zur Bildung befruchtungsfähiger Weibchen führen könnten, scheinen die hier besprochenen Parasiten formen niemals durchzumachen. Wenn wir diese Formen trotzdem als weiblich bezeichnen, so beruht dies darauf, daß sie mit dem im Vogelblut sich entwickelnden Makrogametocyten die wichtigsten strukturellen Eigentümlichkeiten und auch die gleiche Rückbildungsfähigkeit teilen. Zweifellos entsprechen also diese beiden Entwicklungsformen des Haemoproteus noctuae einander. Auch besteht, wie wir noch sehen werden, die Möglichkeit, daß junge weibliche Trypanosomenformen beim Stich der Mücke auf den Vogel übertragen werden und dann dort zu Makrogametocyten heranwachsen.
3. Die männlichen Trypanosomenformen.
Eine dritte Ookinetenform, welche durch geringere Größe, auffallend großen und chromatinreichen Kern und besonders helles Protoplasma charakterisiert ist, läßt die männlichen Trypanosomen formen aus sich hervorgehen. Hierbei handelt es sich aber im Gegensatz zu der Entstehung der indifferenten und der weiblichen Formen nicht um eine einfache Differenzierung ein und desselben Individuums, sondern es findet gleichzeitig eine Vermehrung statt, welche der Bildung der Mikrogameten seitens der Mikrogametocyten entspricht.
Der Beginn dieser Entwicklungsvorgänge entspricht durchaus dem Beginn der Differenzierung der weiblichen Trypanosomenformen. Wie dort erfolgt zunächst eine ungleichpolige Teilung des Ookinetenkernes (Taf. VI Fig. 22 m) und der kleinere der beiden so entstandenen Kerne läßt durch dreimalige gleichpolige Zweiteilung