Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 147
peripheren Blute nur ausnahmsweise nachweisbar sind. Bei den meisten anderen Arten sind offenbar infolge hiervon die freibeweglichen Tiypanosomenformen noch nicht beobachtet worden.
c) Die ungeschlechtlichen JfrtewioprofcMs-Generationen im Vogelblut.
Die in der Blutbahn des Steinkauzes lebenden ungeschlechtlichen Formen von Haemoproteus noctuae sind im freibeweglichen Schwärmzustand völlig trypanosomenförmig (vgl. Taf. VI Fig. 3 u. 5), indessen ist dieser Schwärmzustand bei ihnen immer nur von vorübergehender Dauer. Durch Festheftung auf der Oberfläche eines Erythrocyten und unter Rückbildung des Geißelapparates wandeln sie sich zur Halteridienform um, welche durchaus der gregarinenähnlichen Ruheform anderer, im Darm von Insekten schmarotzender Flagellaten (Herpetomonas, Crithidia, auch Try - panoxoon leivisi in der Rattenlaus) entspricht. Der Blepharoblast ist bei diesen Halteridienformen dicht an den Hauptkern gerückt (vgl. Taf. VI Fig. 2 u. 4). Während dieser Ruheperioden erfolgt das Wachstum der Parasiten. Die Ernährung erfolgt hierbei auf Kosten des Erythrocyten, in welchen der Parasit oberflächlich etwas einsinkt. Bei der Assimilation der resorbierten Erythrocytensubstanz wird ein unverdaulicher Rest in Gestalt des besonders von den Malariaparasiten her bekannten hämatogenen Pigments ausgeschieden. Dieses wird in Gestalt unregelmäßiger Kristalle von dunkelbrauner Farbe in dem Plasma des Parasiten abgelagert und ist, wie Schaudinn zuerst nachgewiesen hat, vor allem noch dadurch charakterisiert daß es das Licht doppelt bricht.
Aber nicht sein ganzes Wachstum macht der Parasit auf ein und demselben Erythrocyten durch. Nach einiger Zeit verläßt er vielmehr seine Wirtszelle, nimmt zunächst Würmchengestalt an (derartige Formen scheint bereits Danilewsky gesehen zu haben) und bildet in der weiter unten, bei Besprechung der Differenzierung der indifferenten Trypanosomenform aus dem Ookineten, geschilderten Weise durch Teilung des Blepharoblasten einen Geißelapparat aus (vgl. Taf. VI Fig. 2), nimmt auf diese Weise wieder Trypanosomen form an (vgl. Taf. VI Fig. 3), schwärmt eine Zeitlang im Plasma umher, setzt sich aber dann wieder von neuem auf einem Erythrocyten fest, um dort sein Wachstum fortzusetzen (vgl. Taf. VI Fig. 4). Erst nach Verlauf von 6 Tagen ist dieses vollendet. Dann nimmt der Parasit wieder Trypanosomenform an (Taf. VI Fig. 5) und vermehrt sich nunmehr durch rasch aufeinanderfolgende Zweiteilungen unter stetiger Größenabnahme der Teilungsprodukte (Taf. VI Fig. 6—13). Die so erzeugten kleinen Trypanosomenformen setzen sich dann wieder an Blutkörperchen fest und in dieser Weise wechseln wiederholt Perioden des Wachstums (im weiteren Sinne) mit Perioden der Vermehrung und innerhalb jener 6 tägigen Wachstumsperioden Perioden der Ruhe und des Wachstums (im engeren Sinne) und Perioden der Bewegung.
Der Übergang aus der Halteridienform in die freibewegliche Trypanosomenform erfolgt gewöhnlich des Nachts und steht nach Schaudinn’s Vermutung mit dem starken nächtlichen Sinken der Körpertemperatur des Vogels in Zusammenhang. Nur zuweilen konnte Schaudinn ihn im peripheren Blute beobachten, vorzugsweise findet er in den inneren Organen, besonders im Knochmark, Milz, Niere und Leber statt, anscheinend weil dort die Zirkulation des Blutes etwas langsamer erfolgt. Die Brüder Sergent haben die Trypanosomen formen im peripheren Blute überhaupt nicht beobachtet.
Die Vermehrung durch Zweiteilung erfolgt durchaus in derselben Weise wie bei den Trypanozoen der Säugetiere.
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