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steigenden Reichszuschüssen für die Schutzgebiete offen zutage. In der bisherigen Weise durfte nicht sort- gewirtschaftet werden, wenn wir nicht in Mißmut und Kritik ersticken wollen. Die einigermaßen wohlwollenden Kenner unserer Kolonialpolitik sind einig darin, daß wir in unseren afrikanischen Besitzungen nicht die schlechtesten, sondern gute Ländereien für Kolonisation und Kultivation erworben haben. Aber in der Entwickelung aller großen Reiche begegnen wir einem Zustande der Unschlüssigkeit und Ratlosigkeit, da man nicht weiß, wie man die neuen großen Flächen aufnehmen, wie man den poliiisch eroberten Boden durch Einzelarbeit sicherstellen soll. Gerade hier ist die Zeit Macht. Gerade die stille Arbeit der Einzelnen, wenn sie sich frei und ungestört entfalten kann, pflanzt die politische Macht fester im neuen Boden ein als alle stoßweise Machtentfaltung. So möge man denn die Kritik gelten und wirken lassen, wo sie zu bessern und zu fördern imstande ist. Niemals jedoch darf sie uns die Freude an der Arbeit nehmen, sondern sie kann immer nur ein Sporn für kulturelle und vaterländische Tätigkeit sein.
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III.
Der Zusmumenbruch des alten Systems.
letzte Reichstagsauflösung halte ihren Grund in ^ der kolonialpolitischen Krisis. Ein System der Schlaffheit und Halbheit brach zusammen, ein anderer Leiter der kolonialpolitischen Geschicke karambolierte so hart mit der herrschenden parlamentarischen Macht' diese Parlamentsherrschaft war so überaus abstoßend in die Erscheinung getreten, daß Kehraus gemacht und an das Volk die Frage gerichtet werden mußte, ob es noch Vertrauen zur Kolonialpolitik des Reiches habe,
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