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nichts wissen, die aber wertvoll sind, weil das Wachstum des Volkes das Verlangen nach Boden für kommende Geschlechter ganz allgemein hervorbringt und nicht nur die bekannten Gebiete ergreift.
Auf diesen Gründen beruht es, daß in der neueren Zeit jeder industrielle und handeltreibende Großstaat aus seiner Hant herausfährt. Es kommt bei ihnen dahin, daß der Heimatsstaat das Zentrum für einen weit über die Erde verstreuten Besitz bildet, wobei die Basis dieser Machtentfaltung nur eng und schmal im Verhältnis zum überseeischen Bodenbesitz ist. Hierzu einige Zahlenbeispiele. Es kommen (ohne Interessensphären) in
Heimatboden Kolonialbesitz
England . . . ans 314 628 qkm 29 090 121 qkm
Frankreich . . - 536 408 - 4 963 592 -
Belgien ... - 29 457 - 2252780 -
Niederlande. . - 33 000 2 103 530 -
Deutschland. . - 540 599 ° 2 596 884 -.
Der Kolonialbesitz ist hiernach in Deutschland 4,8 mal so groß als das Mutterland, in den Niederlanden 6,4, in Frankreich 9,2, in Belgien 76 und in England 94 mal so groß. Die Beweggründe für diese Expansion mögen ja in ihren Einzelheiten in den einzelnen Ländern verschieden sein, aber einheitlich ist die elementare Kraft, mit der sich die Staaten fremden Boden für die Zukunft sichern, Länder, die ihnen die Rohstoffe für die nationale Produktion liefern, Absatzgebiete für ihre heimischen Erzeugnisse, Erdteile, wohin sie den Bevölkerungsüberschnß tragen usw. Kein Staat läßt sich abschrecken durch die Mißerfolge, die der andere Staat hier und da gehabt hat, durch die großen finanziellen Opfer, die die Kolonialpolitik in allen Ländern zuerst heischt, durch die politischen Widerstände im Lager der Demokratie.
Die gesundheitsgemäße Entwicklung unserer nationalen Politik und Volkswirtschaft verlangte und verlangt llberseepolitik, Beteiligung an Kolonisation und Kultivation. Sie ist ein Teil des nationalen Lebens,
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