Nachtrag
In dem „Berliner Lokal-Anzeiger" findet sich inzwischen folgende niedliche Aufklärung über das Verhalten des Herrn Gouverneurs in der Deutschen Angelegenheit:
Bezüglich der Angriffe, die gegen den Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Generalmajor v. Liebert, gerichtet wurden und in dem Borwurf der angeblichen „Doppelzüngigkeit" (NL. Ich habe diesen Ausdruck nie gebraucht, sondern einfach die Thatsachen sprechen lassen. H. ^V.) gipfelten, die der Gouverneur einer deutschen Firma gegenüber an den Tag gelegt haben sollte, wird uns von hochgeschätzter (Wo bleibt „Die Woche"? H. Seite mitgeteilt, daß dieselben Herrn v. Liebert sehr schmerzlich berührt hätten. Derselbe sei sich keiner Schuld bewußt. <OH Jotte doch! H. ^V.) Wahr sei an den Angriffen nur das Eine, daß er, nach Dar-es-Salaam zurückgekehrt, seine Ansicht über ein Projekt, welches ihm vordem vorteilhaft erschienen sei, geändert habe. Es handelte sich nämlich um die Ausführung eines großen Transportunternehmens der Firma Deuß in Hamburg, die seit längerem in Ostafrika ansässig, eine neue Handelslinie anlegen wollte, deren Küstenpnnkt aber nicht mehr auf deutschem, sondern auf fremdem, portugiesischem Gebiet zu liegen gekommen wäre. Die Vertreter der Firma hätten es verstanden, dein Gouverneur das Projekt so darzustellen, daß derselbe, in seinem Bestreben, dem deutschen Handel, soweit es in seiner Macht liege, die Wege zu ebnen, den Plan gebilligt und gutgeheißen habe. Nach Ostafrika zurückgekehrt, hätten aber die dort ansässigen deutschen Kaufleute (alle, oder nur Hausing <L Co., die Konkurrenten des Deuß? H. ^V.) und auch seine Beamten nach Bekanntgabe des Deuß'schen Unternehmens ihn aufs dringendste gebeten, seine Genehmigung zu versagen. Die deutschen Firmen seines Schutzgebietes hätten nämlich den gesamten Handel der Küstenstadt Kilwa zugeleitet und strebten den Bau einer von den Seen nach Kilwa führenden Eisenbahnlinie an. (Deuß aber auch. kll.
Diese Handelslinie würde jede Bedeutung und jeden Wert verlieren, wenn das Unternehmen der Firma Deuß zur Ausführung gelange, (ck. oben. H. ^V.) Auf Grund dieser Vorstellungen, welche der Gouverneur nach Prüfung der Sachlage als gerechtfertigt anerkannte, mußte er seine Ansicht ändern; er habe sich also geirrt, eine Thatsache, die sehr bedauerlich, aber nicht unmoralisch sei. Wie man jemanden aus einem Irrtum eine Doppelzüngigkeit invvlvieren könne, sei ihm unerfindlich. Für diese Angriffe entschädige ihn das Vertrauen, das er iin deutschen Schutzgebiet genieße. (Eigenlob sti—mmt nicht! Man ist dort noch heute
derselben Ansicht, die schon bei der Ernennung des Obersten Liebert zum Gouverneur laut geworden sei, daß der Kaiser für den schwierigen und Verantwortungsreichen Posten den rechten Mann gefunden habe. (Die Glückspilze! Lk. ^V.) Des Generals hervorragendste Eigenschaft sei die Wahrheit; seinem geraden, offenen Wesen sei jede Verstellung zuwider, und die Gerechtigkeit, die Humanität, die er