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Bd. 1 (1905)
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Prof. Dr. A. Calmette,

Vierundzwanzig Stunden später wird die Stelle brandig und das Tier verendet am zweiten oder dritten Tage. Zwei oder drei Tropfen in die Randvene des Kaninchen­ohres gebracht, führen in vier bis acht Minuten den Erstickungstod herbei. Das Herz schlägt noch längere Zeit nach dem Stillstand der Atmung. Das Blut ist nicht geronnen.

Die Wirksamkeit dieses Giftes wird durch Erhitzen auf 100° C ver­nichtet. Von Pferden gewonnenes Serum gegen Cobra-Gift ist in vitro auf dieses Gift ganz ohne Einfluß, letzteres hat also keinerlei Verwandtschaft zum Schlangengift.

Bkiot ist es geglückt, Kaninchen durch Impfung an das Gift zu ge­wöhnen und ein Serum herzustellen, welches das Gift in vitro neutralisiert und frische Kaninchen gegen das Drei­fache der sonst tödlichen Dosis selbst bei intravenöser Injektion schützt.

3. Meergrundeln, Gobiidae. An den Küsten Frankreichs und in den Tropen kommen mehrere Arten von giftigen Gobiiden vor. Die wichtigsten sind die Calliongmen. Die C. hjra sind an den Küsten von Calvados verbreitet. Auch sie besitzen zwei Formen von Gift­drüsen wie die Queise.

4. Iheulhididae. Die Fischer auf Reunion fürchten besonders Acantharus, den Schnäpper fisch, welcher zu dieser Familie gehört. Das Giftorgan dieser Fische sitzt, wie bei den Scorpenen, an den Rücken- und Afterflossen.

5. Bntrnchidae, Froschfisehe. Bntrachns lau und B. gruniens, der Brummer , sind im Antillen-Meer bekannt. Der Fisch, welcher, wenn er aus dem Wasser ge­zogen wird, einen eigentümlich grunzenden Laut ausstößt, trägt auf der vorderen Rückenflosse drei Stacheln und auf der Spitze des Deckels einen Stachel mit einer kleinen Gifttasche an der Basis. Die physiologischen Eigenschaften des Giftes dieser Fischarten sind noch nicht erforscht worden.

B. Physostomi, Edelfische.

6. Siluridac, Welse. Die meisten der sehr zahlreichen zu dieser Familie ge­hörigen Arten leben im Süßwasser; der freie Rand ihrer Lippen ist fast immer mit Bartfäden besetzt (Sihirus glunis). Einige besitzen ein Giftorgan. Dieses ist am besten entwickelt bei der einzigen ausschließlich im Meere lebenden Siluride, der Plotosc, Plotosus lineatus. Der Fisch ähnelt in seiner Gestalt einem Aale. Das Giftorgan befindet sich an der Basis der Rücken- und Bruststacheln. Die Stacheln sind kräftig, scharf und mit hakenförmigen Zähnehen besetzt, welche sie in der Wunde zurückhalten, so daß sie abbreohen müssen. An ihrer Basis sitzen die Taschen der Giftdrüsen. Eine Verletzung durch den Plotosus kommt nur dadurch zustande, daß man mit der Hand oder dem Fuß auf die Giftstacheln drückt. Die so verwundeten Fischer empfinden sofort einen furchtbaren Schmerz, welcher, von Fieber begleitet, mehrere Tage anhält. Solche Fälle sind auf Reunion ziemlich häufig.

cern

Fig. 14.

A Deckel und Deckelstaehel von Trarhinus Vipera. .4 Deekelknochen; ar Gelenkverbin­dung; c.op Körper des Deckelstachels; can Kannellierung des Stachels; z Hohlraum für die Giftdrüse.

B Stachel der ersten Rückenflosse, c.an Kan­nellierung des Stachejs.