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Bd. 1 (1905)
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Prof. Dr. A. Calmf.tte.

der ödematös geschwollenen, lebhaft brennenden Umgebung des Stiches. Bedroh­liche Zufälle und selbst der Tod können aber eintreteu, wenn die Stiche die Augen­lider, Lippen oder die Zunge getroffen haben.

Behandlung der Insektenstiche. Die Stiche gi ftiger Insekten rufen oft sehr starke Schmerzen hervor, welche besonders dem Gehalte des Speichels bez. Giftes an Ameisensäure zuzuschreiben sind. Die erforderliche Behandlung besteht deswegen fast ausschließlich auf der Anwendung alkalischer Mittel, wie z. B. Ammoniak. Verfasser hat gegen das Gift der Hymenopteren und Dipteren den Chlorkalk am wirksamsten gefunden, welcher den Vorteil bietet, gleichzeitig die Toxine zu vernichten. Man verwendet eine 2 % ige Lösung zu einfachen Waschungen oder zu warmen Kompressen.

Literatur.

1894 Bordas, Appareil glandulaire des hymenopteres. Paris.

1889 (Jarlet, C. r. acad. des Sciences. Paris.

1859 Leuckart, Lehrbuch der Anatomie der wirbellosen Tiere. Wiesb. 1859 Leydig, Arch. f. anat. und physiol. Wissensch. Wiesb.

YI. Pisces, Fische.

Die Fische sind wechselwarme, meist mit Schuppen bedeckte Wirbeltiere, welche ihr ganzes Leben lang durch Kiemen atmen, deren Gliedmaßen wenn vorhanden Flossen sind.

Die Verteidigungsmittel der Fische sind sehr mannigfaltig. Einige Arten sind mit sehr scharfen, erektilen Stacheln bewaffnet, andere können ihren Feinden elektrische Schläge versetzen (Zitterrochen, Torpedo, Zitteraal, GymnotcsJ, wieder andere besitzen wirkliche Giftdrüsen und Stehwerkzeuge in Gestalt von Stacheln oder Strahlen der Brust- oder Rückenflossen, welche mit einer verdeckten Öffnung versehen sind.

Die Muränen haben sogar ein mit den Zähnen in Verbindung stehendes Giftorgan wie die Schlangen.

Bottakd unterscheidet bei den giftigen Fischen mindestens drei deutlich verschiedene Typen, je nachdem das Giftorgan ganz (Symincea) oder nur halb ge­schlossen ist (Thalassophryne retieuluta) oder in mehr oder weniger direkter Ver­bindung mit der Außenwelt steht (Qaeise und Scwpaenc).

A. Acanthopteri, Stachelflosser.

1. Seehähne, Triylidae. Die dieser Familie angehörigen Fische sind alle von ab­schreckend häßlichem Äußern. Der Giftstuchelfisch, Synuncea brachio , kommt in den warmen Teilen des indischen und stillen Ozeans vor, z. B. in den Gewässern von Tahiti, Neu-Caledonien, llinterindien und der Seychellen. Der Fisch hält sich in den Löchern der Felsen in» der Nähe der Küste versteckt. Spontan vermag die Synancea kein Gift von sich zu geben. Die Entleerung der neben der Rückenflosse befindlichen Giftdrüsen erfolgt bei Druck auf die Stacheln z. B. durch die Hand des Fischers oder den Fuß des Tauchers. Das Gift steigt dann durch den Druck in den Rinnen an der Seite des Stachels nach dessen Spitze und gelangt in die Wunde. Die Verletzung ist sehr schmerzhaft und von einer Reihe von schweren Vergiftungserscheinungen begleitet und hat manchmal sogar den Tod zur Folge. Die Fischer fürchten daher das Tier mit Recht. Der Fisch