Intoxikationskranklleiten.
2. Vergiftungen durch tierische Gifte.
von
Professor Dr. A. Calinette,
Direktor des Institut Pasteur, Lille.
Deutsch von C. Mense.
Vorbemerkung.
Eine große Zahl von Tieren besitzt besondere drüsige Organe, welche toxische Stoffe, Gifte abzusondern vermögen. Diese Stoffe werden bald einfach in die Außenwelt ergossen, um Feinde fernzuhalten (Kröten, Salamander), bald werden sie •den Körpersäften oder der Verdauungsflüssigkeit beigemischt und spielen bei der Ernährung des Tieres eine wichtige Rolle (Schlangen), bald können sie mittels besonders zu diesem Zwecke eingerichteter Stacheln oder Zähne eingeimpft werden und dienen dann zugleich als Angriffs- und Verteidigungswaffe und als verdauendes Ferment (Schlangen, Giftfische, Skorpione, Spinnen). Man bezeichnet ein Tier als ein Gifttier, wenn es imstande ist, sein Gift zu übertragen. Tiere,- welche als Nahrungsmittel genossen, giftige Eigenschaften haben und der Gesundheit nachteilig werden können, gehören streng genommen nicht hierher. Im folgenden werden daher nur aus praktischen Gründen im Anschluß an die Giftfische einige in letzterem Sinne giftige Fische berührt werden.
Giftige Arten findet man fast in allen unteren Klassen der Tierwelt, so bei den Protozoen oder Urtieren, welche als Erreger von Infektionskrankheiten bei diesen Besprechung finden, bei den Coclenteraten oder Höhltieren, den Arthropoden oder Gliedcrfiifscrn, den Mollusken oder Weichtieren und - auch bei einer großen Zahl von Vertebraten oder Wirbeltieren (Fischen, Amphibien und Reptilien). Die Reptilien oder Kriechtiere sind in dieser Hinsicht am besten ausgestattet. In dieser Klasse findet man die für Menschen und Säugetiere überhaupt gefährlichsten Arten. Ihr Studium ist von großer Bedeutung für die medizinische. Wissenschaft, denn es führt auf die Suche nach Mitteln und Maßregeln zum Schutz gegen solche Angriffe. Sie seien deswegen an erster Stelle berücksichtigt.
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