Der Arbeitszwang in Ostafrika.
Beim Durchlesen des 2. Kapitels: „Die moderne Sklaverei Arbeitszwang“ habe ich den Eindruck gewonnen, dass der Verfasser die ganze Entwicklung von Deutsch- Ostafrika seit 1906 entweder nicht gekannt oder absichtlich verschwiegen hat. Jedem, der ein Interesse für die Kolonie Deutsch-Ostafrika hatte, müssen die Kämpfe in Erinnerung geblieben sein, welche die Kolonialverwaltung mit den Anhängern des Arbeitszwanges sowohl innerhalb als ausserhalb des Parlaments durchfechten musste und welche mit dem vollen Siege des freien Arbeitsprinzips ihr Ende erreichten. Dass solche Kämpfe überhaupt stattgefunden haben, ist keine spezielle Erscheinung der deutschen Kolonie. Sie haben sich bei allen Kolonien aller europäischen Staaten in tropischen Ländern wiederholt, aber wohl in keiner ist die Entscheidung so schnell und so vollständig zugunsten der freien Arbeit durchgefühlt worden wie gerade in Deutsch-Ostafrika. In dieser Kolonie, wie in jeder anderen, behaupteten die europäischen Unternehmer, dass sie für den nutzbringenden Betrieb ihrer Pflanzungen eines Arbeitszwanges nicht entbehren könnten und dass dieser sowohl durch direkte Regierungsmass- regeln als auch durch Erhöhung der Hüttensteuer bezw. Kopfsteuer undadurch Verhinderung mit ihren Betrieben konkurrierender Pflanzungen der Eingeborenen herbeigeführt werden müsste. Es ist nicht zu leugnen, dass die seit 1906 im schärfsten Gegensatz zu dieser Auffassung stehenden Massnahmen der Kolonialverwaltung heftigen
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