Print 
Wanderungen und Forschungen im Nord-Hinterland von Kamerun / von Franz Hutter
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Abschnitt X.

Civilisation und Wildnis.

Was ich draufsen erlebt und erfahren, geschaut und beobachtet, habe ich versucht in den voraufgegangenen Abschnitten zu gehen. Als ich all das so niederschrieb, hat in meinem Innern eine Saite stärker und stärker angeschlagen, die eigentlich nie ganz verstummt ist, seit ich wieder in die Heimat zurückgekehrt hin.

Nun ich am Ende stehe, mufs auch sie ausschwingen. Ihr letzter Ton schliefse mein Buch: es ist der Zauber der Wildnis.

Sie, die neue, die andere Welt, die jenseits der Grenze der Civili­sation sich aufthut, schlägt jeden in ihren Bann, der reinen Herzens die Schwelle überschreitet. Diese Schwelle war für mich das Boot, das mich hinübertrug vom ankernden Schiffe in die Mangrovensümpfe des Mungoflusses, hinein in die Urwaldhallen des Waldlandes. Erst nach zwanzig Monaten ununterbrochenen Aufenthaltes in der Wildnis kehrte ich wieder in die Civilisation zurück. Die zwei Zeilen, die ich diesen Schlufsworten vorausschicke, verraten schon, in welcher Welt ich lieber geweilt. Mags drum sein. Ich gesteh es offen: jahrelang lebe ich nun bereits wieder in den geordneten Verhältnissen eines Kulturstaates, geniefse den Komfort der Civilisation mit allem, was darum und daran hängt das freie Lehen der Wildnis habe ich nimmermehr vergessen.

Civilisation und Wildnis zwei verschiedene Welten!

Im letzten Grund der Dinge freilich sind auch sie einander gleich. Die gleichen Naturgesetze walten hier wie dort über Werden und Vergehen, die gleichen Triebfedern bestimmen dort wie hier das Thun und Lassen der Menschen.

35 *