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Über die Bedeutung Indiens für England : eine Studie / von Sten Konow
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die künstliche Bewässerung Abgaben zahlen, ist der Ertrag so groß gewesen, daß das angelegte Kapital durchschnitt­lich neun Prozent Zinsen gibt, und diese Anleihen be­deuten somit keine neue Last für die indische Staats­kasse.

Die ganze Bewässerungspolitik ist somit ein bedeutender Erfolg gewesen und gehört zu den schönsten Ruhmesblättern in der Geschichte der englischen Herrschaft in Indien. Die indischen Landwirte haben schnell eingesehen, wie vorteil­haft die künstliche Bewässerung für sie ist, und sie zahlen die eingeforderten Wasserabgaben willig und ohne sich dar­über zu beschweren. Und auch die Engländer haben nicht unbedeutende Vorteile aus der Sache ziehen können. Wäh­rend des Krieges hat man den heimkehrenden Soldaten freies Land in neuen Irrigationskolonien in Aussicht gestellt, wodurch angeblich die Rekrutierung im Panjab gefördert worden ist. Viel wichtiger vom britischen Standpunkte aus ist es aber, daß die künstliche Bewässerung es möglich macht, immer mehr Getreide auszuführen.

Dabei ist es von Interesse, zu beachten, daß diejenigen Gegenden, wo in neuerer Zeit die größten Bewässerungs­anlagen gebaut worden sind, Panjab und die Vereinigten Pro- vinzendieHauptgegenden für den Weizenbau sind,und Weizen ist das wichtigste Brotgetreide Großbritanniens. Eine Durch­führung des Programms der Bewässerungskommission in Verbindung mit anderen Maßnahmen zur Entwicklung der indischen Landwirtschaft, die geplant und vorbereitet werden, kann dazu führen, daß Indien die allerwichtigste Korn­kammer für Großbritannien wird, daß seine Bedeutung für die britische Volksernährung noch größer wird, als es heut­zutage der Fall ist.

Indien und die britische Industrie.

Lebensmittel sind, wie wir gesehen haben, nicht die einzigen Waren, welche England aus Indien bezieht. Da­neben werden in großer Ausdehnung Rohstoffe eingeführt, welche die britische Industrie weiterverarbeitet. Wir kommen damit zu einem anderen sehr wichtigen Punkt, den wir nicht außer acht lassen können, falls wir uns darüber klar werden wollen, was der Besiß Indiens für das britische