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Über die Bedeutung Indiens für England : eine Studie / von Sten Konow
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Einleitung.

Indien und sein Verhältnis zum britischen Weltreich ist während des Krieges viel häufiger der Gegenstand der öffentlichen Diskussion gewesen als in früheren Zeiten. Die damit zusammenhängenden Fragen werden auch jeftt in Deutschland ganz anders beurteilt als früher.

Man hatte sich daran gewöhnt, in der Verbindung des alten Kulturlandes mit England eine Tatsache zu erblicken, die namentlich Indien große Vorteile gebracht hätte. Der englischen Herrschaft verdanke es die Ruhe und Sicherheit im Innern, den Schuft gegen äußere Feinde, die Ordnung des Rechtswesens, die Regelung des Verkehrswesens und überhaupt die Bedingungen für ein blühendes Erwerbsleben, die allmählich geschaffen worden sind. Vielfach wurde Indien geradezu als ein vorbildliches Beispiel dafür angesehen, wie ein europäisches Kulturvolk ein fernes Land zum Heil dieses Landes beherrschen kann, wie eine kolonisierende Macht eine segensreiche Tätigkeit im Dienste der menschlichen Zivilisation entfalten kann.

Während des Krieges ist die Auffassung eine ganz andere geworden. Die Ereignisse haben gezeigt, daß die Verbin­dung mit Indien für England und Englands Kriegführung von ausschlaggebender Bedeutung gewesen ist.

Im Anfang des Krieges, als noch keine nennenswerte

> englische Armee existierte, bildete das indische Heer die ' einzigen verfügbaren Reserven, die auch sofort in den Kampf l geworfen wurden. Bei den Kämpfen in Afrika, in Meso- I potamien und in Palästina spielten indische Truppen die ! Hauptrolle. Weiter übernahm Indien die Finanzierung von * verschiedenen Kriegsunternehmungen für England und die i britischen Kolonien, und es stellte seine Landwirtschaft und i seine Industrie in die Dienste der Kriegführung. Getreide i und Rohstoffe, die für die Ernährung, die Verpflegung und

> die Ausrüstung der Ententetruppen notwendig waren, wurden i in immer zunehmendem Maßstabe von Indien geliefert usw.

Hamburglsche Forschungen. Heft 6. J