Einführung
/As ist ein Entwicklungsgesetz in der Geschichte, daß eine jede ^'politisch leistungsfähige Nation, sobald ihr Dasein sich „saturiert" hat, nach einer übernationalen Aufgabe greift. Man nennt das ihre imperialistische Entfaltung. Das Imperium ist eine übernationale Sozialschöpfung durch das vorherrschende Volk.
Als das Volk der Deutschen seinen hundertjährigen Traum erfüllt und seine Einheit vollbracht hatte, sah es sich plötzlich als nationaler Großstaat mitten in die Weltläufte versetzt, ohne eine neue und selbständige Aufgabe zu haben. Es fühlte den inneren Zwang, imperiumartig zu leben, und wußte nicht, wie es das anfangen sollte. Darum machte es nach, was es bei den anderen sah. Es begann, ein Kolonialreich herzustellen. So bescheiden die Anfänge unserer bisherigen Kolonialpolitik nun immerhin blieben, sie sind doch Anfänge einer prinzipiell gewollten, bewußten imperialistischen Entwicklungsrichtung gewesen. Und Kolonialpolitik als Prinzip des Imperialismus, das bedeutet ihre Ausführung zu jenem überozeanischen und gleichsam universalen System, wie es die neueren Völker Europas seit vier Jahrhunderten hervorgebracht hatten. Sie bedeutet einen interkontinentalen Imperialismus zum Zwecke der wirtschaftlichen Nutznießung unterworfener Länder, wie ihn das englische Reich in vollkommenster Weise zum Ausdruck bringt, mit all seinen Leistungsmöglichkciten und seinen Schwächen. Wir können es getrost eingestehen, daß wir in den Jahrzehnten vor dem Kriege diesen englischen Imperialismus nachzuahmen versuchten. Gerade im letzten Jahrzehnt war der Gedanke kolonialer Entfaltung über die Meere hinweg zu einem