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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
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Die nicht deutschen Kolonialbahnen in Afrika.

Dakar, heute ein wichtiger Flottenstützpunkt und Kriegshafen, ist durch die Bahn eine gesunde Stadt geworden; der Handelshafen wurde ausgebaggert, so daß die größten Schiffe an dem neu errichteten Kai anlegen können. Auch die neue Bahn von Thies nach Kayes is. unter B) führt der Linie Dakar--St.-Louis weiteren umfangreichen Verkehr zu.

Neuerdings plant man, die Barre des Senegal bei St. Louis mit einem Kostenaufwande von 10 Mill. Fr. zu durchstechen und die Mün­dung des Stroms künstlich dauernd festzulegen, so daß die Seedampfer den Senegal hinaufgehen können. Diese Maßnahme würde der Bahn DakarSt.-I.ouis voraussichtlich einigen Verkehr entziehen.

B. Die Bahn Thiös Kayes.

Im Jahre 1863 faßte General Faidherbe den Plan, die beiden Ströme Senegal und Niger in ihrem nicht schiffbaren Überlauf durch eine Eisenbahn zu verbinden und dadurch zu einer zusammenhängen­den Verkchrsstraße zu verbinden. Aber nach seinem Scheiden aus dem Schutzgebiet trat das Gouvernement von Senegal erst 1878 der Ausarbeitung dieses Planes näher; dies führte unter Freycinet zu dem Gesetzentwurf von 1880, in dem jedoch zunächst nur der Bau der Bahnen von Dakar nach St.-Louis und von Mddine am Senegal (.oberhalb Kayes) zum Niger vorgesehen wurde: die Verbindung von St.-I.ouis mit Medine schien durch den schiffbaren Senegal einst­weilen gesichert und der Bahnbau ThiösKayes wurde daher noch zurückgestellt. Der Warentransport und Postdienst nach dem fran­zösischen Sudan nahm seinen Weg von der demnächst vollendeten Bahn KayesKulikoro (s. unter 2) über den Senegal nach St.-Louis und von da über die Bahn nach Dakar, mit zweimaliger Umladung zwischen Schiff und Bahn. Mit der Zeit machte sich indes die Un­zulänglichkeit der Schiffahrtstraße des Senegal, der nur während dreier Monate im Jahr schiffbar ist, sehr störend bemerkbar, und der Verkehr litt dauernd unter der Unregelmäßigkeit und Unsicherheit dieser Ver­bindung. Die Hochebene zwischen Senegal und Gambien bot, wie sich durch die Vorarbeiten ergab, keine besonderen Schwierigkeiten für eine Bahn von Thies, einer Station 71 km östlich von Dakar, nach Kayes zum oberen Senegal. Die Gesamtkosten für die im ganzen 677 km lange Bahn sind auf 50 Mill. Fr., das sind 74000 Fr./km. veranschlagt. In der 100 Mill. Fr.-Anlcihe der französischen Regie­rung (Gesetz vom 22. Januar 1907) wurden als erste Teilbeträge 10 Mill. Fr. für die westliche Strecke ThiösDiurbel und 3,5 Mill. Fr. für die östliche Strecke KayesAmbidedi und durch Gesetz vom 10. Februar 1910 für weitere 200 km 14 Mill. Fr. angefordert. Der Bahnbau, den die Kolonie selbst in die Hand nahm, wurde von beiden Endpunkten aus begonnen, und man hoffte, ihn in der ersten Hälfte 1916 zu vollenden. In ihrem westlichen Teile erschließt die Bahn besonders die erdnußreichen Gebiete von Baol und Saloum. Im Oktober 1908 wurden die ersten 80 km der Weststrecke von Thies aus dem Verkehr