S. Francisco do Kut.
Line wunderbar milde, mondhelle, tropische Nacht ging ihrem Ende entgegen. In meine Ramelshaardecke gehüllt, mein kleines Lederkissen unter dem Haupte, ruhte ich auf einer der Holzbänke oben auf dem Promenadendecke des dem „Lloyd Brazileiro" gehörigen Dampfers „Santos" und blickte träumerisch zu dem mit Sternen übersäten Himmel empor. Monatelang war ich jetzt schon unterwegs; nirgends hatte ich mich lange ausgehalten und aufhalten können; immer wieder waren neue Bilder an meinem Auge vorüber gezogen; immer wieder waren neue Eindrücke auf mich eingestürmt. Die Blätter meiner Tagebücher hatten sich gefüllt. Rio de Janeiro, Brasiliens herrliche Metropole, 5. Paulo, der reiche Aaffeestaat mit seiner gleichnamigen, mächtig aufstrebenden Hauptstadt, und das gemütliche Euritiba im Staate paranä, lagen nun schon hinter mir. Ueberall hatte ich ein selbstbewußtes, kapitalkräftiges Deutschtum gefunden, das in rastloser Arbeit sich eine glänzende wirtschaftliche und soziale Position inmitten des Brasiliertums errungen hatte. Kaufleute, Fazeudeiros, Handwerker und Aolonisten, sie alle standen wacker auf ihrem Posten und hatten den deutschen Namen in ganz Brasilien zu hohen Ehren gebracht. Selbst die Gegner des Deutschtums, die in ihm eine politischc^Gefahr^ für'? das brasilische Vaterland witterten, zollten seinem jWirken und Streben auf wirtschaftlichem Gebiete alle Achtung s^und erkannten seine kulturelle Mission und seine Leistungen zu ^Gunsten des brasilischen Nationalwohlstandes bereitwillig an. So^nahm das deutsche Element in den Städten der brasilischen Nord-^und Mittelstaaten jwohl eine hervorragende Stellung ein und galt bisweilen sogar in manchen finanziellen und wirt-