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Die Gründung von Deutsch-Ostafrika : kolonialpolitische Erinnerungen und Betrachtungen / Carl Peters
Entstehung
Seite
150
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Die Erwerbung der Küste.

Während der Umgestaltung der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft aus dem Syndikat in eine Korporation hatte sich im Dezernat für Kolonialpolitik im Auswärtigen Amt ein Personalwechsel vollzogen, der für die weitere Ent­wicklung der Sache als geradezu verhängnisvoll bezeichnet werden muß. An die Stelle des Geheimrats Krauel trat als Vertreter derAufsichtsbehörde" gegenüber unserer Gesellschaft mehr und mehr der Geheime Legationsrat vi'. Kayser. Wie das persönliche Dienstverhältnis zwischen beiden damals formell geregelt war, weiß ich nicht mehr genau; denn Krauel blieb Direktor der Kolonialabteilung noch bis 1890, wo Kayser seine Stellung im ganzen einnahm. Dies fand endgültig erst statt unter der Reichs- kanzlerschaft des Grafen Caprivi, und Fürst Bismarck hatte seine eigene Theorie dafür. Genug, für uns wurde von 1887 an Dr. Kayser der Vertreter des Reichskanzlers.

Nun war Dr. Krauel, wie ich erzählt habe, ein keineswegs angenehmer Kolonialdezernent gewesen. Er war unliebenswürdig, unverbindlich und engherzig. Aber er war ehrlich und wahr; man wußte immer, wie man mit ihm dran war. Dr. Kayser war das Gegenteil. Er war lieblich, ja überströmend freundschaftlich gegen jeden; er versprach jedem alles; er hatte die Interessen der Kolonie und nichts als die Interessen der Kolonie im Munde. Aber er hielt seine Versprechungen nicht;