Druckschrift 
Die Völkerstämme im Norden Deutsch-Ostafrikas / von Max Weiß
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Vll. Das Handwerk.

ie große Geschlossenheit des afrikanischen Kontinents hat es mit sich gebracht, daß weite Gebiete seines In­nern bis auf die neueste Zeit unberührt von dem Ein­flüsse fremder, besonders europäischer Kultur ge­blieben sind; lange war dieser vom Norden natür­lich abgesehen auf einige Küstenstriche beschränkt. Der Mangel an natürlichen Zufahrtsstraßen, die Un­nahbarkeit des schwarzen Erdteils, setzten seinem Vordringen bald ein Ziel. Vor dem Beginn der großen Kolonialbewegung gelang es im tro­pischen Afrika nur den Arabern, bis in das Herz des Kontinents ihre Kaub- und Handelszüge auszudehnen; aber die arabische Kultur konnte niemals den zersetzenden Einfluß üben, wie es die billigen europäischen Massenartikel tun. Heute sehen wir selbst im Innersten Afrikas das Leben der Völker durch die Einwirkungen fremder Kultur beeinflußt, wodurch bedauerlicherweise dem Forscher das Feststellen des Urzustandes und der Eingeborenenkultur äußerst erschwert, ja in vielen Fällen sogar un­möglich gemacht wird.

Mit welcher Schnelligkeit und wie eingreifend fremde Kultur vor­dringt, sehen wir unter anderm daran, daß jetzt schon in ganz Afrika aus Amerika eingeführte Kulturpflanzen, wie Mais, Maniok und Tabak, vor­kommen. Letzteren finden wir sogar im tiefsten Kongourwald hinter den Hütten der Eingeborenen.

Viel Ursprüngliches hat die fremde Kultur wohl verwischt, in auf­fälliger Weise unberührt geblieben aber von ihrem Einfluß ist das afri­kanische Handwerk dort, wo ich es kennen lernte, so daß ich zu meiner Genugtuung in der Lage bin, in nachstehenden Zeilen und Bildern un­verfälschte Eingeborenenarbeit vorführen zu können.

In anderen Gebieten dagegen haben arabische und europäische Einfuhr eine starke Umwälzung in der Ausübung des Handwerks hervor-