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Die Völkerstämme im Norden Deutsch-Ostafrikas / von Max Weiß
Entstehung
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III. Die Waganda und Waheia.

ie Schilderung der Waganda und Waheia will ich zu einem Kapitel zusammenfassen, da beide Stämme so­wohl in ihrem Äußeren wie in ihren Lebensgewohn­heiten viel gemeinsam haben, während sie sich von den bereits besprochenen Wanjambo, Wapororo und Wahutu nicht unwesentlich unterscheiden, wiewohl sie gleich diesen zur Bantu-Rasse gehören. Uganda, das Land der Waganda, von dem ich jetzt eine ganz kurze Schilderung gebe, reicht nur mit seinem südlichsten Ausläufer, nämlich einem Teil der Provinz Buddu, in deutsches Gebiet hinein. Im Süden wird Buddu durch die Kagera von Kisiba getrennt; im Westen verläuft die Grenzlinie von der Fähre Njakanjassi durch die wildreiche Steppe Kibo- roga, dicht östlich am Berge Budakia entlang, in das englische Gebiet; im Osten bildet der Viktoria-See die Grenze.

Die Kagera fließt hier in weitem Bogen nach Süden durch eine große Lbene. Dicht hinter Kifumbiro bis nahe zur Mündung ist sie zu beiden Seiten von weiten Sümpfen, in denen sich Phönixpalmen malerisch ab­heben, eingesäumt, so daß es nur an wenigen Stellen möglich ist, an ihre Ufer zu gelangen. Den südlichsten Punkt erreicht die Kagera zwischen Kitengule und Kifumbiro bei 1° 16' südlicher Breite.

Bei Njakanjassi ist die Kagera etwa 60 m breit und mehrere Meter tief; der vielgewundene Flußlauf hat sich tief eingeschnitten, so daß stellen­weise die Ufer 1015 m nahezu senkrecht abfallen. An diesen Stellen fehlt naturgemäß der sonst charakteristische Papyrussaum. Man kann hier deutlich erkennen, daß der Boden aus graubraunem, häufig sogar weißlichem, mit Sand vermischtem Ton besteht. Aus dieser Zusammen­setzung darf man wohl schließen, daß wir in der Kageraebene ein altes Schwemmland vor uns haben. Möglicherweise befand sich hier in früheren Zeiten, als der Spiegel des Viktoria-Sees noch höher stand, ein Seearm.

Weiß, Die Völkerstämme im Norden Dcutsch-Ostafrikas.

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