II.
Der König der Belgier und das innerafrikanische Problem.
Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.
Es dürfte keine Persönlichkeit in der neuesten Geschichte geben, auf die das angetönte Schillerwort so passen würde, wie auf Leopold IL, bei dem sich das legendäre Herrschertalent der Koburger mit dem Finanzgenie verband, das der Enkel Louis Philipps wohl schon mit der Muttermilch eingesogen hatte. Unbestreitbare Tatsache ist es, dass der zweite König der Belgier eine durchaus eigenartige, fast nietzsche- anische Persönlichkeit gewesen ist: ein Monarch von ausgesprochen antidemokratischer Denkungsart und dabei der Prototyp des modernen „Ubermenschen".
Schon als Erbprinz hatte sich der spätere Leopold IL des lebhaftesten für Kolonial- und Expansionspolitik interessiert. Hauptsächlich seine Orientreisen: 1854 nach Ägypten und Palästina, 1864 nach Indien und China, mögen ihn dazu angeregt haben. Die Zukunft hat gezeigt, dass es keine leere Phrase war, als der Zwanzigjährige im Dezember 1855 im belgischen
Ich fand dieses Datum bei J. Boillot-Robert, Leopold II et le Congo. Neuchätel (1904), p. 36; wahrscheinlich handelt es sich
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